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Das marokkanische Kino auf dem Weg zu einer nachhaltigen Filmindustrie

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Das marokkanische Kino auf dem Weg zu einer nachhaltigen Filmindustrie

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Filmfestivals wie das von Marrakesch sind immer auch Anlass für einen Jahresrückblick. Die marokkanische Kinoindustrie zog eine positive Bilanz. Sorge bereitet jedoch nach wie vor der bedrohliche Rückgang der Kinosäle im Land.
“Die marokkanische Kinoindustrie ist vielfältig und zeigt die Sichtweise der einheimischen Regisseure. Das marokkanische Kino entwickelt sich langsam aber sicher voran. Unsere Filme werden auf der ganzen Welt gezeigt, in Venedig, Cannes und Berlin”, sagt Nour Eddine Lakhmari dessen Film “Zéro” in Marrakesch im internationalen Wettbewerb lief.

Auf Festivals werden sie gezeigt, die marokkanischen Filmperlen. Doch einheimische Zuschauer bekommen sie nur schwer zu Gesicht. Gerade mal 30 Lichtspielhäuser gibt es heute noch im Land. Vor 25 Jahren waren es knapp 250.
Der Kinoschwund ist ein gravierendes Problem, das Filmemacher, Produzenten und Kinobetreiber inzwischen gemeinsam bekämpfen wollen, auch um der illegalen Verbreitung von Filmen Einhalt zu gebieten.

“Festivals sind eine wichtige Vitrine und bieten Gelegenheit zur Begegnung mit Filmemachern aus anderen Ländern”, meint Regisseur Nabil Ayouch.“Der Kinoschwund ist ein Geschwür, gegen das wir schnellstens vorgehen müssen, auch der arabischen Welt und Afrika gegenüber. Marokko sollte international als leuchtendes Beispiel vorangehen.”

Was die Zahl der Filmproduktionen pro Jahr betrifft, schneidet Marokko im internationalen Vergleich eher gut ab. In Afrika steht das Land an dritter Stelle, nach Südafrika und Ägypten.
Problematisch bleibt der Vertrieb. Viele Filme kommen gar nicht erst ins Kino, im Fernsehen werden sie von ausländischen Produktionen verdrängt. Dabei habe das Filmland Marokko viele Trümpfe, erklärt Schauspieler und Produzent Mohamed Merouazi. “Regisseure, Schauspieler und Techniker sind hochkarätig. Es gibt tolle Drehplätze und vor allem gute Themen. Was fehlt sind Menschen, die diese Branche lieben und finanziell unterstützen.”

Schauspielerin Sanaa Akroud bescheinigt dem marokkanischen Film eine gewisse Reife, das sei für alle Beteiligten, Schauspieler, Regisseure und Produzenten ein starker Pluspunkt. Stellt sich schließlich die Frage, was der Zuschauer eigentlich will. Wie Kinogänger andernorts auch: Blockbuster, Actionstreifen, kommerzielle Kinohits. Anspruchsvolle Autorenfilme, die den Finger auf die Probleme der marokkanischen Gesellschaft legen, können da schwer mithalten.

Finanziell gesehen ist die Branche nahezu vollständig vom Staat abhängig, der bereits in den 80er Jahren begann, in die Filmförderung zu investieren. Viele Projekte kommen heute nur dank der öffentlichen Vorfinanzierung zustande. Für eine gezielte Unterstützung soll ein neues, im vergangenen Sommer verabschiedetes Gesetz sorgen. Dieses sieht auch Maßnahmen zur Schaffung neuer Kinosäle vor.