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Sind Könige noch zeitgemäß?

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Sind Könige noch zeitgemäß?

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Zwölf europäische Staaten sind Monarchien. Haben die gekrönten Staatsoberhäupter einen Nutzen? Oder sollte man diese überkommenen Einrichtungen vom Thron stoßen? Die Sendung wird moderiert von Alex Taylor. Antwort auf Ihre Fragen gibt ein König der Adelsberichterstatter: Stéphane Bern in Paris.

Alex Taylor

Stéphane Bern, Sie kennen ja die Sendung I Talk: Schnelle Fragen, sehr schnelle Antworten. Fangen wir mit dieser an, einer ganz einfachen.

Frage von Owen Brown in Belgien

Ich wüsste gern, wozu heutzutage ein König gut ist.

Alex Taylor

Voilà, das Spiel beginnt!

Stéphane Bern

Nun, ein König mag als bloßer Zierrat erscheinen, aber er ist wie ein Schlussstein: Entfernt man den, bricht der Bau zusammen. Er ist wie der Mörtel einer Nation, ein Botschafter, ein nationales Symbol, das den Zusammenhalt ermöglicht. Ein Schiedsrichter kann nicht auch Kapitän einer der beiden Mannschaften sein. Ich denke, alle Fußballspieler verstehen diese Metapher.

Alex Taylor

Ja, aber andere Nationen wie Ihr Frankreich kommen gut ohne König aus.

Stéphane Bern

Na, wenn das so wäre, würden wir wohl nicht hier sitzen. Dann stünde nicht die Fragen der Identität im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte.

An der Spitze einer Regierungspartei kann es zu Machtkämpfen kommen, und damit auf höchster staatlicher Ebene. Ich finde, das muss man trennen. Es gibt eine Symbolik der Nation und des Staates, und zugleich gibt es die Regierung und damit den Wandel. Das sieht man in Spanien, in Großbritannien, in Belgien, und es funktioniert gut. Es geht darum, die Einheit der Nation zu bewahren, und ihre Identität, vor allem nach außen. Wir sehen, dass die Könige Botschafter geworden sind, vor allem in Krisenzeiten, da nehmen sie ihre Koffer und gehen auf Reisen, um das nationale Label zu verkaufen, und sie öffnen Türen für den Handel, denn sie sind in gewissem Sinne Handelsvertreter de luxe.

Alex Taylor

Eine weitere Frage in I Talk an Stéphane Bern.

Frage von Antoine

Ich bin Antoine aus Lyon in Frankreich. Können Sie mir sagen, warum Menschen aus Ländern ohne Monarchie von Ländern mit Monarchie fasziniert sind?

Alex Taylor

Es stimmt, dass in Ländern wie Frankreich die Menschen von den Vorgängen in Grobritannien fasziniert sind. Warum?

Stéphane Bern

Das hat zwei Gründe. Erstens gibt es meines Erachtens einen Schuldkomplex, zweifellos einen geheimen, den eigenen König enthauptet zu haben, und deshalb diese Faszination.

Alex Taylor

Immer noch?

Stéphane Bern

Ich kann es nicht beweisen, aber verstehen.
Und ein weiterer Grund ist, dass man hier in Frankreich vom Staatschef verlangt, die Rollen der englischen Königin und des Premierministers gleichzeitig zu spielen, und das ist sehr schwierig, es gibt da eine ständige Schizophrenie. Aber es stimmt, wie General de Gaulle einst sagte: Die Franzosen mögen Prinzen, aber sie suchen sie lieber im Ausland.

Zugleich haben Länder mit einer Monarchie eine kritische Haltung, vor allem in Krisenzeiten, – eine etwas buchhalterische Einstellung. Was kostet eine Monarchie? Nun, eine Republik kostet dreimal so viel! Es gibt keine Präsidentenwahl, und vor allem nützt die Monarchie dem Fremdenverkehr. Dazu kommen die Handelsverträge, die wegen des Monarchen abgeschlossen werden, denn er ist Bürge auf Dauer.

Alex Taylor

Wir haben eine schriftliche Frage aus Spanien: Warum sind Länder mit einem König oder einer Königin im allgemeinen so monarchistisch eingestellt? Anscheinend darf man in der Presse keine Kritik üben. Gibt es eine Zensur? Das fragt Inma aus Spanien. Zensur?

Stéphane Bern

Im Gegenteil, es gibt überhaupt keine Zensur.
Das hat man zum Beispiel in Spanien gesehen. Katalanen setzen da gelegentlich Nachbildungen des Königs in Brand. Man hat es auch nach der Großwildjagd des spanischen Königs gesehen. Er musste sich im Fernsehen entschuldigen. Das hatte es noch nie gegeben. Er hatte seit seiner Krönung auch politisch großartige Dinge getan, und nun entschuldigte er sich wegen dieser Vorwürfe.

Ich glaube daher, dass Kritik sehr einfach ist. Man geniert sich nicht, die Monarchien zu kritisieren, zumal die nicht antworten können. Könige und Fürsten antworten in Europa nicht. Aber ich versuche, sie zu verteidigen, weil ich finde, dass es zu einfach ist, sie andauernd zu kritisieren – für diese symbolische Macht. Sie ist keine politische Macht, sondern eine moralische, und die brauchen wir: eine Macht, die den Respekt aller Bürger garantiert.

Jetzt werde ich eine Frage stellen. Warum sind die Monarchien in Europa stets die Speerspitze der Modernität? Nehmen Sie die skandinavischen Monarchien oder die britische: In der moralischen Entwicklung, etwa bei der Einführung des homosexuellen Ehe, sind die Monarchien den Republiken immer voraus. Erstaunlich, nicht war?

Alex Taylor

Wenn Sie sich auch Fragen stellen, können Sie Stéphane Bern auf unserer Webseite antworten. Eine weitere Frage zur Monarchie.

Frage von Wes in Großbritannien

Ich bin Wes aus dem sonnigen Vereinigten Königreich. Ich habe in den Nachrichten gesehen, dass die Königsfamilien in Spanien und Schweden Probleme mit der Justiz hatten. Wirkt sich das auf die öffentliche Unterstützung aus?

Alex Taylor

Also die jugendlichen Eskapaden des Karl Gustav von Schweden und die finanziellen Machenschaften des Schwiegersohns des Königs von Spanien. Das alles ist nicht gut für die Monarchien, für ihr Markenimage?

Stéphane Bern

Man kann sich natürlich fragen, ob die Skandale die verschiedenen Monarchien schädigen. Ich würde sagen, solange es keine illegale Vorteilsnahme gibt und der Monarch seine Arbeit korrekt versieht, wird man ihn meines Erachtens nicht kritisieren.

Natürlich steht in einer Monarchie eine ganze Familie an der Spitze, und man kann dem König daher Vorwürfe wegen seines Schwiegersohns machen. Aber wie Sie in Spanien sehen: Ein König kann die Beziehungen zu einem Mitglied seines Hauses abbrechen. So hat er es mit seinem Schwiegersohn gemacht.

Und was das Privatleben des Königs von Schweden betrifft: Das beschädigt seine Stellung als Souverän Schwedens in keinster Weise.

Alex Taylor

Aber es ist trotzdem nicht sehr gut für ihn als Symbol, für das Markenimage seines Landes.

Stéphane Bern

Im Hinblick auf seine symbolische Stellung hat man ihm einiges vorwerfen können, aber es geht um Dinge, die er als 30-jähriger getan hat! Ich glaube, dass er seitdem gereift ist, dass er zugelernt hat, dass er seine Vergangenheit als Herzensbrecher und galanter Prinz hinter sich gelassen und eine wahre Mission erfüllt hat: Die schwedische Monarchie ist äußerst populär! Man schaue sich nur die Menge an, die zur Hochzeit von Victoria und Daniel gekommen ist. Ich war selber bei den Zeremonien dabei. Das schwedische Volk steht fest zu seiner Krone. Es gibt dort keine Systemkrise, keine Identitätskrise, die das Königshaus bedroht.

Ernste Krisen könnte es in Spanien geben, mit der Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens. In Belgien ist es der König, der die Nation zusammenhält. Und vielleicht wird die englische Königin garantieren können, dass Schottland im Vereinigten Königreich bleibt. Das sind die wichtigen Fragen, und nicht Seitensprünge eines Königs im Alter von 30 Jahren.

Alex Taylor

Eine letzte und etwas persönliche Frage an Stéphane Bern in I Talk.

Frage von Marin in Belgien

Herr Bern, ich möchte Sie fragen: Sie kennen die Monarchien so gut, was hat Ihr Interesse an Königshäusern geweckt?

Alex Taylor

Wären Sie selber gern König?

Stéphane Bern

Absolut nicht. Solche Phantasien habe ich nicht. Meine Familie stammt aus Luxemburg, einem Großherzogtum, und das dortige Herrscherhaus hat die Unabhängigkeit und Identität Luxemburgs geschützt. Das war wichtig, denn meine Familie musste Luxemburg verlassen, als am 10.Mai 1940 die Nazis eingedrungen sind. Die Großherzogin Charlotte hat den Widerstand gegen die Feinde verkörpert. Und das kann man nicht vergessen, wenn man so dramatische Ereignisse miterlebt hat. Ich bin in diesem Geiste erzogen worden: Dass unsere großherzogliche Familie unsere Identität verteidigt hat, unsere Souveränität und Unabhängigkeit, die von benachbarten Mächten bedroht wurde. Wenn wir als Luxemburger noch immer eine Nation sind – und ich gehöre ihr noch zur Hälfe an -, dann verdanken wir das unserer großherzoglichen Familie.

So bin ich zu diesem Thema gekommen. Ich habe eines Tages entdeckt, dass ich auch Franzose bin, und ich habe versucht, die jeweiligen Vorteile dieser Systeme zu finden. Dazu habe ich mich in die Geschichte vertieft, und dabei lernt man, woher man kommt, und vielleicht auch, wohin man geht.

Alex Taylor

Vielen Dank, Stéphane Bern in Paris.

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