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Adoptionsverbot in Russland umstritten

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Adoptionsverbot in Russland umstritten

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Das Gesetz zum Verbot der Adoption russischer Kinder durch US-Bürger trägt den Namen eines kleinen Jungen, der starb, weil sein Adoptivvater das 21 Monate alte Kind im verschlossenen Auto in der Hitze vergessen hatte.
Dima Jakowjew.
Der Abgeordnete Ruslan Gattarow, der wie alle seine Kollegen im Föderationsrat mit Ja gestimmt hatte, nennt das “Dima-Jakowjew-Gesetz” eine sehr emotionale Antwort auf das amerikanische
Magnitsky-Gesetz, welches nach seiner Meinung internationale Normen verletze. Und er spricht von
einer “adäquaten Antwort der Russischen Föderation.”
Dabei ist das Adoptionsverbot in Russland durchaus umstritten. Nicht nur Hilfsorganisationen, sondern sogar Regierungsmitglieder sind dagegen. So der Erziehungsminister Dmitri Liwanow, Außenminister Sergej Lawrow und die stellvertretende Ministerpräsidentin Olga Golodets.
Anwalt Wjatscheslaw ist strikt dagegen, diese beiden Dinge zu vermischen. Wenn russische Beamte bei der Einreise in die USA Probleme haben, dann seien doch nicht die Kinder dafür verantwortlich! Bei seiner Pressekonferenz am 20. Dezember sagte Präsident Wladimir Putin, der vor Jahre dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder zur Adoption eines russischen Kindes verholfen hatte: “Die Mehrheit der russischen Bürger sieht es sehr negativ, wenn Ausländer unsere Kinder adoptieren. Das sollten wir selber tun. Wir sollten mehr russische Familien dazu bringen, Waisenkinder oder solche, die nicht den Schutz ihrer Eltern genießen, zu adoptieren.”

Im Jahr 2010 gab es laut UNICEF in Russland 740.000 Waisenkinder. Laut US-Außenministerium haben US-Bürger in den vergangenen 20 Jahren 60.000 kleine Russen adoptiert. Galina Sigajewa von der Organisation “Neue christliche Hoffnung”
verweist darauf, dass vor allem behinderte Kinder, die in Russland niemand haben wollte, von Amerikanern adoptiert wurden. Sie könne sich nicht vorstellen, was jetzt aus solchen Kindern werden solle. Als in der Vergangenheit einmal nur eine sechesmonatige Adoptionssperre verhängt wurde, habe das schon zur Überfüllung von Kinderkrankenhäusern und Kinderheimen geführt.

Laut russischer Statistik kamen in den vergangenen 10 Jahren 19 russische Kinder und den USA ums Leben. In Russland starben zwischen 1991 und 2006 1220 Kinder in ihren Adoptivfamilien.