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Warum brennt es wieder in Nordirland?


Großbritannien

Warum brennt es wieder in Nordirland?

Also alles wieder auf Anfang? Sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, statt miteinander zu reden, wie es so viele Jahre schlechte Sitte war im britischen Nordirland? Seit Anfang Dezember brennt es wieder auf den Straßen von Belfast. Als hätte es nie ein “Karfreitagsabkommen” von 1998 gegeben, gehen die verfeindeten Nachbarn wieder aufeinander los. Diesmal war die britische Fahne, der “Union Jack”, der Auslöser. Der Auslöser, nicht die Ursache. Denn die liegt tiefer. Schon bei den Zusammenstößen im vergangenen September zeigte sich, dass protestantische Briten und katholische Nord-Iren ihre Geschichte nie aufgearbeitet haben. Nach wie vor provozieren die Protestanten ihre katholischen Nachbarn, indem sie mit “Siegesmärschen” durch deren Wohnviertel ziehen. Märsche, mit denen ein Sieg des Protestanten Wilhelm von Oranien über die Katholiken vor mehr als 400 Jahren gefeiert wird.
Dann zeigen auch die Katholiken Flagge. Die Gewalt der international als Terroristenorganisation eingestuften “Irisch Republikanischen Armee” – IRA – kostete zwischen 1969 bis 1998 fast 4.000 Menschen das Leben. Nun melden sich wieder Vermummte, um zu verkünden, eine neue IRA werde weiterhin Vertreter des britischen Staates und britische Infrastruktur angreifen. Und wieder finden sich Anhänger, Mitläufer, die Beifall spenden, als wollten auch sie alle alten Schlachten nochmals schlagen. Und die Politiker? Die stehen ebenso hilflos daneben wie ihre diversen Vorgänger. Was nützt also ein nordirisches Regionalparlament, was nützt es, dass Ex-Hardliner wie Protestant Ian Paisley und Ex-IRA-Kämpfer Martin McGuiness sich heute an der Seite der Regierungschefs aus London und Dublin als respektable Politiker zeigen? Spielt es eine Rolle, ob die nie ganz verschwundenen paramilitärischen Einheiten der einen oder der anderen Seite den ersten Stein geworfen haben? Das zeigt doch nur, dass es immer noch genug Fanatiker gibt, denen die so schön “normal” wirkende Ruhe in den Straßen von Belfast nicht gefällt. Es ist eben nichts aufgearbeitet. Dazu müsste man schon weit zurückgehen bis zu Heinrich dem VIII. , der England vom Katholizismus löste und zu seiner Tochter Elisabeth der I., die allen ihren Untertanen ihren anglikanischen Glauben aufzwingen wollte.
Über viel Unrecht seither müsste gesprochen werden und über für beide Seite unbequeme Wahrheiten.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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