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Fortschritt aus Notwehr - 150 Jahre U-Bahn in London

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Fortschritt aus Notwehr - 150 Jahre U-Bahn in London

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Die älteste U-Bahn der Welt wird 150. Am ersten Tag fuhren 30 000 Menschen mit der neuen „unterirdischen Eisenbahn“ auf der Strecke vom Bahnhof Paddington nach Farringdon. Wo? In London.

Nach dieser Pioniertat kam lange gar nichts. Als nächste leisteten sich Budapest und Glasgow gut dreißig Jahre später unterirdische Züge, dann kamen Paris und Berlin.

Luxus war das nicht, eher Notwehr gegen die Menschenmassen, die zu Beginn des Industriezeitalters in die Städte drängten.

Christian Wolmar, Bahnhistoriker:

“London war so voll im 19. Jahrhundert, wissen Sie. Markstände überall, Straßenhändler, alles Mögliche. So kamen sie auf die Idee, mithilfe der U-Bahn auf den Straßen Platz zu schaffen.”

Das Lebensgefühl im neuen Verkehrsmittel glich denn auch dem in Kalkutta oder Lagos. Ein Ausländer verglich das Erlebnis mit einer Höllenreise: „Das Abteil, in dem ich saß, war voller Passagiere, die Pfeife rauchten. Rauch und Schwefel der Lokomotive füllte den Tunnel, alle Fenster mussten fest geschlossen bleiben. Die Luft war eine Mischung aus Schwefel, Kohlenstaub und dem schmutzigen Rauch der Öl-Laternen. Als wir Moorgate Street erreichten, war ich vor Erstickung und Hitze fast tot.“

1867 starben drei Passagiere an Rauchvergiftung.
„Trains in the Drains“ hieß die Londoner Tube, „Kloakenzüge.“

Waren aber eine gute Idee:
Heute fahren jedes Jahr 1,2 Milliarden Menschen damit.

Mit Reuters