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Katholische Kirche stoppt Missbrauchsstudie

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Katholische Kirche stoppt Missbrauchsstudie

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Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland wird vorerst nicht weiter untersucht. Die Bischöfe haben die Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen
und dessen Leiter Christian Pfeiffer vorzeitig beendet. Kirche und Forscher machen sich gegenseitig für das Scheitern verantwortlich.

Die Bischofskonferenz will sich nun einen neuen Partner suchen. Ihr Sprecher, Matthias Kopp, erklärte: “Wir haben das Forschungsprojekt nicht aufgegeben. Das Forschungsprojekt zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bereich der katholischen Kirche wird selbstverständlich fortgesetzt. Ob ohne Pfeiffer oder mit Pfeiffer steht hier nicht zur Sache. Wir haben Herrn Pfeiffer heute gekündigt, weil das Vertrauensverhätnis völlig desolat runiniert ist.”

Pfeiffer wirft der katholischen Kirche Zensur vor. Zudem soll es Hinweise geben, dass Missbrauchsakten vernichtet wurden. Die Bischofskonferenz bestreitet das. Der Kriminologe sagte: “Sichtbar ist, dass das Projekt an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert ist. Man verlangte von uns die Unterschrift unter einen neuen Vertrag, in dem die Kirche dann das Recht gehabt hätte, die Texte zu verbieten, die von uns in jahrelanger Arbeit geschrieben worden sind, wenn sie ihr nicht gefallen.”

Norbert Denef wurde als Messdiener von einem Priester und später von einem Organisten missbraucht. Er kämpft seit Jahren für die Aufdeckung der Fälle und die Bestrafung der Täter:
“Wenn die Mafia ihre eigenen Verbrechen aufarbeiten würde, würden wir auch sagen: “Das geht nicht” Und genauso ähnlich ist es hier auch. Die Verbrechen können nur von außen aufgearbeitet werden.”

Für Pfeiffer kommt Aufgeben nicht in Frage. Er will das Projekt nun eigenständig weitertreiben. Er rief die mutmaßlichen Missbrauchsopfer dazu auf, sich freiwillig zu melden, um die Studie fortführen zu können.