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Wie gefährlich wird der Kampf in Mali?


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Wie gefährlich wird der Kampf in Mali?

Der Norden von Mali ist seit Monaten fest in der Hand von islamischen Fanatikern. Da treffen sich “Al Kaida des islamistischen Maghreb” mit “Ansar Dine” und einer Organisation “für den heiligen Krieg in Westafrika”. Sie haben hier die Scharia eingeführt und drangsalieren die Bevölkerung. Dieser Norden gehört zur Sahelzone, also weitgehend Wüste. Die wichtigsten Städte dort, darunter das historische Timbuktu, werden von den Extremisten beherrscht. Mit französischer Militärhilfe soll die etwa in der Mitte liegende Stadt Kona am Wochenende zurückerobert worden sein.

Alles begann im März 2012 mit einem Staatsstreich.
Bis dahin galt Mali über zwei Jahrzehnte hin als einer der stabilsten, demokratischsten Staaten in Afrika. Der Aufstand der Tuareg, die sich im Staat Mali nicht gleichberechtigt vertreten fühlten, fiel aber in eine Zeit, als nach dem Sturz von Gaddafi in Libyen reichlich arbeitslose Söldner in dieser Region unterwegs waren. So entstand eine explosive Gemengelage aus Stammesinteressen und jenen verschiedener Fanatikergruppen. Ein der schlimmsten Folgen war bisher die Zerstörung einzigartiger Kulturschätze in Timbuktu, was sich mit dem Islam überhaupt nicht rechtfertigen lässt.

Der Wissenschaftler Ali Touré von der Universität in Bamako spricht von der großen Besorgnis unter der Bevölkerung, da gehe die Furcht um, man könne das ganze Land an die Fanatiker verlieren.

Wohl wegen dieser Furcht helfen nun auch Frankreichs EU-Partner. Nicht mit Kampftruppen, nur mit Ausbildern, heisst es etwa aus Berlin.
Dabei weiß man doch von anderen Einsätzen, jeder Ausbilder muss von sieben Soldaten geschützt werden, wenn es funktionieren soll.

Euronews Journalist François Chignac sprach mit Anne Guidicelli. Sie kennt die arabische und die muslimische Welt gut. Sie hat für das französische Außenministerium gearbeitet. Heute ist sie Angestellte des Unternehmens TERRORISC, das sich auf Fragen des internationalen Terrorismus spezialisiert hat.

euronews, François Chignac: Hat sich Frankreich in einem Konflikt engagiert, der sich lange hinziehen wird?

Anne Guidicelli: Bis jetzt ist alles sehr schnell gegangen. Das Ziel, die islamischen Gruppen vollständig auszumerzen, birgt allerdings das Risiko, dass Frankreichs Armee, aber auch die anderen internationalen Truppen für lange Zeit in diesem Konflikt feststecken werden. Die zweite Etappe betrifft die Überreste dieser islamischen Gruppen. Werden sie sich woanders neu gruppieren? Werden sie neue Mitglieder anwerben? Werden sie von außen unterstützt werden? All das muss man bereits jetzt berücksichtigen.

euronews: Soll die Islamisierung Afrikas verhindert werden?

Anne Guidicelli: Die Sahelzone ist ein Gebiet, über das die angrenzenden Staaten wenig Kontrolle haben. Sobald es eine solche Möglichkeit gibt, wird sie von diesen Netzwerken ergriffen, und sie lassen sich dort nieder. Das Risiko ist, dass sich diese Gruppierungen mit Gewalt mehr Einfluss verschaffen, und deswegen musste man jetzt eingreifen, um ihr Voranschreiten zu stoppen.

euronews: War die Angst vor einem islamischen Pulverfass berechtigt?

Anne Guidicelli: Die französischen Behörden haben klipp und klar gesagt, dass sie dem Terrorismus den Krieg erklären. Wenn man es in einem mehr als tausend Kilometer entfernten Land mit radikalen, gewalttätigen Netzwerken aufnimmt, dann nur um das europäische Territorium zu sichern und zu schützen.

euronews: Aber ist es nicht so, dass die radikalen islamischen Gruppen versuchen, die internationale Gemeinschaft hereinzulegen, indem sie den Konflikt in der riesigen Sahelzone austragen? Besteht nicht die Gefahr, dass sich das gleiche Szenario wie in Afhanistan abspielen wird?

Anne Guidicelli: In der Tat haben diese Gruppen alles getan, um aus der Sahelzone die neue Front zwischen Okzident und muslimischer Welt zu machen. Die Idee war, ausländische Truppen anzuziehen und aus dieser Zone eine Kampfzone zu machen.

euronews: Diese radikalen Gruppen haben Frankreich ganz klar bedroht. Besteht derzeit in Frankreich, aber auch in Europa die Gefahr von Terroranschlägen?

Anne Guidicelli: Für Al-Kaida im Maghreb ist Frankreich schon seit mehreren Jahren der Gegner Nummer 1. Es ist also nicht überraschend, dass, wenn Frankreich eingreift, diese Gruppen mit Vergeltungsschlägen drohen.
In Frankreich haben wir die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Diese Drohungen werden also ernst genommen, aber das heißt noch lange nicht, dass Frankreich von seinem außenpolitischen Kurs abweicht.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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