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"Sie setzten Tränengas gegen uns ein, das machte uns Mut"

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"Sie setzten Tränengas gegen uns ein, das machte uns Mut"

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Zwei Jahre ist es her, dass in Ägypten mit einem “Tag des Zorns” am 25. Januar 2011 das Ende der Herrschaft von Präsident Hosni Mubarak begann. Zahlreiche, vor allem junge Demonstranten und Aktivisten traten mit Hilfe sozialer Netzwerke eine Protestwelle los, die den Langzeitherrscher nur 26 Tage später aus dem Amt spülen sollte.

Für viele junge Menschen in Ägypten war die Mubarak-Regierung vor allen Dingen ein korrupter Haufen, verantwortlich für schlechte Lebensbedingungen, miserable Wirtschaftszahlen und fehlende politische Freiheiten. Ali Alarabi gehörte zu denen, die damals gegen Mubarak revoltierten. euronews hat ihn im Kairoer Café Al-Bursa getroffen.

Alarabi: “Ich erinnere mich noch, als sie anfingen, Tränengas gegen uns einzusetzen. Als wir das Gas rochen wussten wir, dass wir Erfolg hatten. Denn Gas wird nicht für kleine Gruppen eingesetzt, da nutzen sie Stöcke, um die Leute auseinanderzutreiben. Wenn sie Tränengas einsetzen, dann tun sie dies, weil da eine große Zahl an Demonstranten ist, und das hat uns Mut gemacht. Gleichzeitig erschwert es natürlich das Atmen und die Augen tränen, das erschöpft einen schnell. Ich weiß noch, als mich ein Freund auf seine Schultern nahm und ich hinter uns diese riesige Menge an Demonstranten sah und wir riefen: Die Regierung hat Essen und Öl so teuer gemacht, dass wir unsere Möbel verkaufen mussten.”

Das Café Al-Bursa hatte in der Revolution viele Namen: “Schutzraum”, “Befreite Zone”, “Rebellenquelle” oder “Café Molotow”. Hier trafen sich die Revolutionäre und planten ihr Vorgehen. Zuweilen wurden sie hier aber auch von der Polizei festgesetzt oder verhaftet. Das wiederfuhr Ahmed Doma, einem der bekanntesten Politaktivisten Ägyptens.

Doma: “Wir haben es geschafft, Mubarak und seine Symbole zu beseitigen und viele seiner Leute und ihn selbst vor Gericht zu bringen. Außerdem haben wir die Verfassung geändert, auch wenn die neue Verfassung sicher mit Mängeln geboren wurde. Wir hatten dann Präsidentschaftswahlen, auch wenn der Präsident in den Augen der Revolutionäre ein Verräter ist. Aber wir haben das trotz aller Gefahren erreicht. Ein Sieg für die schweigende Mehrheit, die jetzt auf die Straßen gehen und sicher sein kann, dass ihre Stimme etwas zählt.”

Rund 800 Menschen kamen in den Revolutionswirren ums Leben. Einer von ihnen war Schahab al-Sajed, dessen Mutter nach wie vor zum Protestieren auf den Tahrir-Platz geht.

Sie sagt: “Ich will nicht das Gefühl haben, dass sein Blut umsonst vergossen wurde. Ich will, dass alle Ägypter, die hinter der Revolution standen und den Eindruck haben, dass ihre Ziele noch nicht erreicht wurden, aufstehen und sagen Nein, wir haben keine Angst.”

euronews-Reporter Mohammed Shaikhibrahim: “Hier begann die Revolution für Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Auf diesem Platz ertönte der erste Ruf der Revolution. Zwei Jahre danach halten die Demonstranten vom Tahrir-Platz an ihren Forderungen fest. Die Revolution geht weiter, bis ihre Ziele erreicht sind.”