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"Burning Bush" - Ein Film über die Selbstverbrennung des Jan Palach

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"Burning Bush" - Ein Film über die Selbstverbrennung des Jan Palach

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“Burning Bush”, die neue Filmproduktion der polnischen Regisseurin Agnieszka Holland, befasst sich mit der Selbstverbrennung des Jan Palach 1969 in Prag. Der Student hatte sich aus Protest gegen die sowjetische Besetzung auf dem Prager Wenzelsplatz mit Benzin übergossen und angezündet. Er starb drei Tage später in einem Krankenhaus. Die dreiteilige Fernsehproduktion konzentriert sich auf den Kampf von Palachs Mutter gegen die kommunistischen Machthaber, die versuchen, den Tod ihres Sohnes zu diskreditieren.

Die Premiere des ersten Teil der Trilogie in Prag stieß auf breite Medienresonanz. Jan Palach gilt bis heute vielen als Held, doch nur wenige wissen von den Geschehnissen nach seiner Selbstverbrennung und von den juristischen Bemühungen seiner Familie gegen den Staat. Produziert wurde die dreiteilige Miniserie vom privaten Fernsehsender HBO Europe. Das Projekt spreche Menschen in Tschechien ubenczebnd andernorts in Osteuropa an, meint Antony Root von HBO. “Es geht um universelle Werte, um Gut und Böse, um die Frage, was richtig ist und was falsch. Es geht um Entscheidungen und ob man das Richtige tut.”

Agnieszka Holland hat sich schon oft mit historischen Themen beschäftigt, etwa in dem für den Auslands-Oscar nominierten Drama “In Darkness” über einen Arbeiter, der Juden im Lemberger Kanalsystem versteckte.
Jan Palachs Geschichte ist für die polnische Regisseurin auch persönlich von Bedeutung. Sie studierte damals an der Prager Filmhochschule und erlebte den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen.

Der Film basiert auf einem Drehbuch des jungen Filmhistorikers Štěpán Hulík. “Ich wollte die wahre Geschichte hinter der Geschichte erzählen”, erklärt der Drehbuchautor. “Alle Welt kennt Jan Pallach, aber nur die Symbolfigur, ich habe versucht zu zeigen, was dahinter steckt.”

Tatiana Pauhofová spielt die junge Anwältin, die im Namen der Mutter Palachs gegen einen Abgeordneten zu Gericht zieht, der die Tat des Studenten anzweifelt. Wäre sie ebenso mutig gewesen, wie die Filmheldin?
“Natürlich habe ich während der Vorbereitung und später beim Dreh viel darüber nachgedacht: Was hätte ich getan? Hätte ich den Mut aufgebracht? Ich weiß es nicht, ich würde es mir wünschen…”

Der slowakische Schauspieler Martin Huba spielt den kommunistischen Abgeordneten Vilem Novy, der Lügen über Palachs Tod in die Welt setzt. Auch die Tschechin Tatjana Medvecká spielt mit, als Ärztin, die im Krankenhaus um das Leben des Jan Palach kämpft. “Es ist so wichtig, sich daran zu erinnern”, betont die Schauspielerin. “Es gab auch junge Menschen, die den Mut hatten, zu protestieren, es waren nicht nur brave Lämmer. Am Anfang gab es Rebellion und ein starkes Aufbegehren gegen die russische Besatzung.”

20 Jahre später sollte die samtene Revolution dem Kommunismus ein Ende bereiten. Auslöser waren Gedenkveranstaltungen zum 20. Todestag von Palach auf dem Wenzelsplatz. Dabei kam es zu Ausschreitungen und Massenverhaftungen, darunter war der Dissident und spätere erste demokratische gewählte Präsident Vaclav Havel.

“Burning Bush” läuft im tschechischen und polnischen Fernsehen und soll auf Festivals gezeigt werden.