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"Dicke Luft" in China

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"Dicke Luft" in China

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Auffahrunfälle auf den Straßen und Autobahnen gleich hundertfach, an den Flughäfen annulierte Flüge – dicke Luft in und um Peking ist schuld daran. Was da mitten im Winter einmal so überausdeutlich sichtbar wird, ist nur der vorläufige Höhepunkt der vielerorten in China beklagenswerten Umweltbelastungen.
Diesmal so schlimm, dass auch das staatliche Fernsehen die Zustände nicht mehr ignorieren konnte. In Radio und Fernsehen wurden die Bürger aufgerufen, wenn möglich ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Das Wort “Peking-Smog” macht weltweit die Runde. Wer trotzdem raus musste, versuchte sich auf dem Weg zur Arbeit oder auch im Park mit Gesichtsmaske so weit wie möglich zu schützen.
Der Hauptgrund für Peking dürfte die ungeheure Zunahme des Autoverkehrs sein. In der 20-Millionen-Metropole sind inzwischen 5 Millionen Fahrzeuge zugelassen. Und mit jedem Jahr werden es 250 000 mehr. Dass die Behörden jeweils immer nur ein Drittel dieser Fahrzeuge auf die Straße lassen wollen, ist da nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Landesweit kommt noch der Schadstoffausstoß durch Kohlerverbrennung hinzu. China nutzt zur Energieerzeugung soviel Kohle wie der gesamte Rest der Welt zusammen.
Die Folgen sind in viele Städten als “dicke Luft” sichtbar und für die Bürger als Gesundheitsschäden spürbar. Eine Mutter sagt: “Natürlich habe ich Angst. Mein Kind hat eine Hautallergie, die zuerst selten auftrat. Aber Arzt sagte, wenn die Luftqualität immer schlechter wird, dann kommen immer mehr Patienten mit solchen Leiden.”
Zuletzt wurde die Zahl der jährlich an den Folgen von Luft- oder Wasserverschmutzung verstorbenen Menschen mit 750 000 angegeben. Die Anzahl der Fälle von Lungenkrebs ist innerhalb von zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen. Chinas an Umweltverschmutzung leidende Patienten sind weniger ein Fall für die Mediziner als vielmehr ein Fall für die Politik.