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Vukovar: Am kyrillischen Alphabet klebt Blut

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Vukovar: Am kyrillischen Alphabet klebt Blut

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Im kroatischen Vukovar, direkt an der Grenze zu Serbien, haben mindestens 20.000 Menschen gegen das kyrillische Alphabet demonstriert. Weil dort eine serbische Minderheit lebt, soll alles auch in deren Sprache und somit im kyrillischen Alphabet geschrieben werden.

Im Fall von Vukovar sind die Erinnerungen an von Serben begangene Gräueltaten im Krieg vor 22 Jahren noch sehr lebendig.

Eine Frau hat ihren Sohn beim Massaker von Vukovar verloren. Sie sagt: “Für mich ist das unerträglich. Ich will mit den Serben nichts zu tun, ich will ihre Schrift nicht jeden Tag sehen müssen. Sie haben mir meinen Sohn genommen, sie haben unsere Männer abgeschlachtet. Ich hasse sie. Wenn sie nicht getötet hätten, wäre alles anders.”
Ein junger Mann meint: “Hier in Vukovar können sie diese Schrift nicht verwenden. Die Wunden sind noch nicht verheilt. Vielleicht später, aber im Moment geht das nicht.”

Vukovar war Ende 1991 von serbischen Verbänden nach monatelangem Abwehrkampf dem Erdboden gleichgemacht worden. Nach dem Fall Vukovar im November 91 trieben die Serben beim sogenannten Massaker von Vukovar Hunderte Kroaten auf einem Feld zusammen und erschossen sie.

Nach der Volkszählung aus dem vergangenen Jahr leben heute in Vukovar knapp 35 Prozent Serben. Damit muss nach der kroatischen Verfassung
die Zweisprachigkeit im öffentlichen Leben garantiert werden.