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Die Zukunftssicht der CIA-Experten

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Die Zukunftssicht der CIA-Experten

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Jeweils kurz nach Amtsantritt eines US-Präsidenten geben ihm die Experten vom Geheimdienst CIA ihre Prognose für die nächsten 15 bis 20 Jahre in die Hand. Der erste Rapport kam 1997 für Bill Clinton.
Diesmal wird im Report des “National Intelligence Council” die Frage behandelt, wie die Welt lautet
2030 aussehen aussehen wird. Erste Antwort: die Urbanisierung wird enorm zunehmen, von “Mega-Cities” ist die Rede. 2010 lebten 6,8 Milliarden Menschen auf der Erde, für 2030 lautet die Prognose: 8,5 Milliarden. Die demografische Entwicklung soll in Richtung ältere Bevölkerung gehen bei gleichzeitiger Zunahme der Migrationsbewegungen. 2030 werden die bevölkerungsreichsten Länder Indien und China sein, danach die USA auf Platz drei und Russland auf Platz zehn. Gerechnet wird mit weltweit rund 30 riesengroßen Metropolen. Die Städte werden im Vergleich zu heute ihre Fläche verdreifachen.
2012 lebte die Hälfte der Erdbevölkerung in Städten – für 2030 wird mit einem Anteil von 60 Prozent Städtern gerechnet, das dürften dann um die 5 Milliarden Menschen werden. Dabei sagen die Geheimdienstexperten einen Rückgang der Kriege zwischen Staaten voraus. Das überrascht kaum. Interessanter ist, dass sie auch auf weniger Konflikte innerhalb von Ländern setzen, auf weniger Bürgerkriege wie gegenwärtig in Syrien setzen.
Dafür warnen sie vor dem Risiko, dass natürliche Ressourcen wie Wasser knapper werden. Und das angesichts einer immer jünger werden Bevölkerung in den Regionen Naher Osten, Afrika südlich der Sahara und Süd-Ost-Asien. China gilt die besondere Aufmerksamkeit, denn es wird als “Lokomotive” für eine erstarkende Region Asien angesehen.
Dieses Asien werde zuerst Europa überholen und dann womöglich auch die USA – nicht nur bei der Zahl der Bevölkerung sondern auch wirtschaftlich und technologisch. Für die USA selbst wird besonders betont, dass durch Nutzung von Schiefergas und anderen neue Technologien das Land von Energieimporten unabhängig werden könne. Die USA könnten damit ab 2020 der weltgrößte Erdöl- und Erdgasproduzent werden.
Noch vor Saudi Arabien! Durch die Unabhängigkeit bei der Energieversorgung werde sich dann auch das Machtgefüge in der Welt und der Umgang mit der Golfregion verändern.

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Gestern hatte John Kerry seinen Amtsantritt als Außenminister der USA, quasi als zweit-mächtigster Mann des Staates. Jetzt fragt man sich, wer wird 2030 dieses Amt haben? Welche Rolle werden die USA in knapp 20 Jahren in der Welt spielen?
Kommen wir zum dem Bericht des
“National Intelligence Council”, der alle 4 Jahre vorgelegt wird. Darin werden Szenarien für die Zukunft entwickelt. Über diesen Bericht sprechen wir mit dem Journalisten Stephane Kaufmann, Spezialist für Geopolitik und ehemaliger stellvertretender Chefredakteur der Pariser Tageszeitung “Figaro”. Was halten Sie von diesem Bericht, der die Frage nach der Macht der USA 2030 aufwirft?

Stephane Marchand
Die Antwort ist nicht ganz eindeutig. Die Amerikaner gehen davon aus, dass es im Jahr 2030 nicht mehr so eine Hegemonie einer Supermacht geben wird, wie es sie seit 1945 gab. Aber sie wissen auch nicht genau, wodurch diese Hegemonie ersetzt werden wird, wie dann die internationale Ordnung aussehen wird. Und deshalb entwerfen sie sowohl optimistische als auch pessimistische Szenarien.

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Es sind also entweder Kooperations- oder Desintegrations-Szenarien. Die Autoren betonen die pessimistische Variante, Unausgewogenheit in der Weltordnung. Sie schreiben von einem erhöhten Risiko für Konflikte zwischen Staaten. Ist das realistisch?

Stephane Marchand
Im Augenblick konzentriert sich
die Aufmerksamkeit nicht nur der USA, sondern auch anderer Länder auf Asien. Dort entsteht gerade ein großes Zentrum wirtschaftlicher Macht.
Wird dieser Prozeß friedlich verlaufen oder nicht?
Dabei wird China eine entscheidende Rolle spielen.
Die kann positiv sein, wenn China sich selber stabil und wohlhabend fühlt. Aber wenn es sich in seiner wirtschaftlichen Entwicklung bedroht sieht, wenn es seine demografische Entwicklung nicht mehr kontrollieren kann, so dass die soziale Zufriedenheit in Unzufriedenheit umschlägt, dann könnte Asien in Gefahr sein. Und wenn Asien in Gefahr ist, gerät die Welt 2030 in Schieflage.
Aber Vorsicht! Es ist nicht nur die Wirtschaft, die ein Land stark macht, es zählt auch die militärische Stärke. Und militärisch sind die Chinesen noch weit davon entfernt, es mit den USA aufnehmen zu können. Das Pro-Kopf-Einkommen in China entspricht dem Niveau von Rumänien. Das heißt, es dürfte noch eine Weile dauern, ehe China ebenso viel Macht hat wie die USA.

euronews
Dieser Bericht zeigt eine sehr amerikanische Sicht der Welt, in der die USA dabei sind, ihre Hegemonie zu verlieren, haben Sie gesagt.
Was wird denn angesichts dieser Einschätzung dem Präsidenten geraten?

Stephane Marchand
Man muss da wohl vor allem zwischen den Zeilen lesen. Und da zeigt sich eine gewisse Besorgnis. Die Amerikaner merken, dass sie wirtschaftlich abgehängt werden. Und sie fragen sich, wie sie in dieser Lage die Zügel wieder fester in die Hand bekommen können.

euronews
Im Bericht wird auch der Zusammenbruch der Euro-Zone erwogen, die Vertreibung der schwächsten Mitglieder. Wie denken Sie darüber?

Stephane Marchand
Besonders interessant an diesem Bericht ist – da wird sehr wenig über Afrika und Europa geschrieben.
Offensichtlich ist für die USA Europa nicht mehr so wichtig, was man auch am Verhalten der Obama-Regierung sieht. Deren Einschätzung nach wird Europa keine geopolitische Rolle mehr spielen.
Und mehrfach wird im Bericht die Möglichkeit erwähnt, dass die Euro-Zone auseinanderbrechen könnte.

euronews
Vielen Dank an Stephane Marchand, der auch für die Wirtschaftszeitschrift “La Revue” schreibt.