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Der Fußball-Wettskandal zieht weite Kreise


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Der Fußball-Wettskandal zieht weite Kreise

Bestechungsgelder, hunderte manipulierte Spiele und Millionenprofite – immer wieder führen die meisten Spuren des internationalen Fußball-Wettskandals nach Asien, genau gesagt nach Singapur.
Von hier wurden offensichtlich die Manipulationen durch ein Verbrecher-Syndikat weltweit koordiniert. Insgesamt sind nach Informationen der europäischen Polizeibehörde Europol rund 700 verdächtige Spiele im Zeitraum von 2008 bis 2011 registriert, darunter auch einige Partien in der WM- und EM-Qualifikation sowie der Champions League. Mehr als 400 Personen aus dem Fußball sollen in die Wettmanipulationen involviert sein. Der neue Bestechungsskandal im Fußball zieht damit immer größere Kreise, wie Europol-Direktor Rob Wainwright feststellte:
“Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball. Wir wussten schon eine Weile, dass das organisierte Verbrechen in vielen Bereichen der illegalen Wirtschaft tätig ist und so negative Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Aber diesmal haben wir klare Beweise, dass das Organisierte Verbrechen auch im Welt-Fußball operiert.“

Die Wettmafia hat vom asiatischen Stadtstaat aus Funktionäre von Fußballverbänden manipuliert und dazu eine große Anzahl von Schiedsrichter weltweit bestochen, die dem organisierten Verbrechen den gewünschten Ausgang der Fußballspiele garantierten.
Das System des Verbrecher-Syndikats ist dabei so simpel wie genial: Engagiert werden skrupellose Mittelsmänner, die im Auftrag eigene Marketingunternehmen gründen und mit diesen bei Fußballverbänden um die Rechte für die Austragung von Spielen werben.
Diese Mittelsmänner organisieren u. a. die Unterkunft und kümmern sich um Werbe- und Fernsehverträge. Darüber hinaus stellen sie auch die Schiedsrichter und sogar die Gastmannschaften, die sie dann manipulieren können.

Wir begrüßen Sarah Lacarriere in Lausanne. Sie war beteiligt an einem wissenschaftlichen Projekt über die Korruption im französischen Sport und wie man die Integrität des Sports bewahren kann.

euronews:
Eine Untersuchungskommission von Europol hat die weltweite Manipulation von mehreren hundert  Spielen aufgedeckt, sogar Spiele aus der Champions League sollen dabei sein.
Kann man nun sagen, dass die Wettbewerbe alle verfälscht sind ?

Sarah Lacarriere:
Europol hat eine große Untersuchung eingeleitet, die im Grunde eine Forstsetzung der Untersuchungen in Bochum sind, die schon eine gewisse Zahl von Partien aufgedeckt hat, die manipuliert waren. Und das gilt wettbewerbsübergreifend, also nicht nur in der Champions League. Vor allem die nationalen Meisterschaften sind ein Hauptaugenmerk der Betrüger. Im Endeffekt kann man sagen, dass viele Partien verschoben wurden.

euronews:
Kann man noch wirklich darüber überrascht sein ?

SL: Das was neu ist, ist die Tatsache, dass diesmal eine Liste mit über 400 Namen existiert, die an den Manipulationen beteiligt gewesen sein sollen. Es handelt sich um Sportler, Schiedsrichter, Verbands-Funktionäre und natürlich um Personen aus dem Organisierten Verbrechen.
Einige Sportverbände, wie die UEFA zum Beispiel, arbeiten schon eng mit den Behörden zusammen. Vor allem mit den deutschen Behörden im Rahmen der Bochumer Ermittlungen.
Man ist nicht wirklich überrascht, dass manipuliert wurde. Jedoch ist man über das Ausmaß überrascht.

euronews:
Ist die Integrität nun durch die Enthüllungen in Mitleidenschaft gezogen worden ?

SL:
Man sollte jetzt nicht alles übertreiben, denn nicht alle Spiele werden manipuliert. Doch alarmierend ist es schon, dass so viele Menschen am Betrug beteiligt sind. Wie die Untersuchungen von Europol ergeben haben, handelt es sich bei den Tätern um die asiatische Wettmafia, die Verbindungen zur Balkan-Mafia hat.

euronews:
Die Ermittlungen richten sich direkt gegen den Fußball. Kann man sagen, dass hinsichtlich des Wettskandals hier ein Mangel an Kontrollen besteht?

SL:
Es gibt einen illegalen Markt der sich mit den neuen Technologien entwickelt hat. Dies wurde durch die große Öffentlichkeit der Sportwettbewerbe gefördert. Insbesonders der Fußball, aber auch viele andere Sportarten wie Tennis oder Cricket zum Beispiel. Die Wettbewerbe sind immer attraktiver für die Wettmafia geworden. Daher müssen die Kontrollen effektiver durchgeführt werden und die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Verbänden muss verbessert werden.

euronews:
Warum hat der Fußball keine eigene Anti-Korruptionsbehörde,
ähnlich der Welt-Anti-Doping-Behörde ?

SL:
Es ist unbestritten, dass mittlerweile eine hohe Zahl von Ermittlern mit einem großen Materialaufwand sich der Problematik widmen. Man muss danach sehen, wie die neuen Erkenntnisse, und zwar nicht nur die im Fußball, gebündelt werden können um in Zukunft gegen den Betrug zu kämpfen. Dafür müssen aber alle Parteien zusammenarbeiten, vor allem die Buchmacher sind hierbei gefragt, denn sie spielen eine Schlüsselrolle.
Die Initiativen, die nun vom Europarat ergriffen worden sind, sollten in diese Richtung gehen.

Sarah Lacarriere, haben Sie vielen Dank für das Interview.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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