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Ernüchterung in Tunesien nach Belaid-Mord

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Ernüchterung in Tunesien nach Belaid-Mord

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Die Ermordung des Oppositionspolitikers Chokri Belaid lässt viele Tunesier ratlos zurück. Der Umsturz im Land ist nun eine Weile her, und sie hatten danach auf bessere Zeiten gehofft – nicht auf diese Entwicklung.

“Nach der Revolution haben wir gedacht, wir können uns freuen”, sagt ein junger Mann in der Hauptstadt Tunis. “Aber jetzt haben wir einen Machtkampf, bei dem sogar getötet wird. Das können welche von der Regierung getan haben, aber genauso gut von der Opposition.”

“Es tut mir um Tunesien leid”, meint eine ältere Frau. “Ich, in meinem Alter, bin bei der Revolution jeden Tag auf die Straße gegangen. Mit meinen Kindern habe ich geschimpft, weil sie nicht rausgegangen sind. Aber was hat das jetzt gebracht?”

Belaids Frau wirft den Islamisten von der regierenden Ennahda-Partei vor, sie seien für die Tat verantwortlich. Belaïd trat für die Trennung von Staat und Religion ein und galt als einer der schärfsten Gegner der Regierung.

Regierungspolitiker bestreiten jede Verantwortung. Ennahda-Chef Raschid Gannuschi sprach von einem Verbrechen, das die Nation, ihre Stabilität und den demokratischen Übergang bedrohe.