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Nach Mord an Oppositionspolitiker: Generalstreik in Tunesien

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Nach Mord an Oppositionspolitiker: Generalstreik in Tunesien

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In Tunesien hat ein Generalstreik begonnen – parallel zur Beisetzung des vor zwei Tagen ermordeten Oppositionspolitikers Chokri Belaid hat. Tausende versammelten sich vor einem Kulturzentrum in der Hauptstadt Tunis, wo der Leichnam Belaids zunächst aufgebahrt wurde. Sie riefen Slogans, wie “Belaid, ruhe in Frieden, wir werden den Kampf fortsetzen”.

Unterdessen hat der Generalstreik die Hauptstadt teilweise lahmgelegt. Banken, Fabriken und einige Geschäfte blieben geschlossen. Die größte Gewerkschaft und mehrere Oppositionsparteien haben zu dem Ausstand unter dem Motto “Kampf dem Terrorismus” aufgerufen.

Trotz breiter Beteiligung, es gibt auch Kritik. Ein junger Mann meint: “Dieser Streik verschlimmert die wirtschaftlichen Probleme. Wir stecken mitten in einer Krise. Ich glaube nicht, dass in Amerika oder in Europa oder sonst wo in der Welt die Menschen streiken, wenn ein Politiker stirbt.” Und eine junge Frau sagt: “Ich bin gegen den Ausstand. Wie sie sehen können, ist die Stadt verwaist. Das ist eine Gelegenheit für Diebe und Einbrecher, um in Geschäfte einzusteigen und Leute auszurauben. Fast alle sind zu Hause geblieben, haben ihre Türen versperrt und wagen sich nicht raus.”

Hunderte Polizisten wurden derweil in Tunis stationiert, da für den Nachmittag mit neue Massenproteste gerechnet wird. Belaid galt als scharfer Kritiker der regierenden Ennahda-Partei. Diese weist allerdings jede Mitschuld am Tod des Oppositionspolitikers zurück.