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Zeffirelli: "Italien muss mehr Verantwortung tragen"

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Zeffirelli: "Italien muss mehr Verantwortung tragen"

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Franco Zeffirelli, der in diesem Monat 90 wird, ist eine der letzten Ikonen des italienischen Kinos und Theaters. Am bekanntesten ist er für seine Verfilmung von “Romeo und Julia”, für die er 1968 eine Oskarnominierung erhielt. Seine Version von “Der Widerspenstigen Zähmung” mit Elizabeth Taylor und Richard Burton aus dem Jahr davor ist bis heute die bekannteste Verfilmung des Stücks.

Außerdem hat Zeffirelli in Europa und den Vereinigten Staaten zahlreiche Opern inszeniert. Er freundete sich mit Maria Callas an und arbeitete mehrfach mit ihr.

Euronews:
Wenn Sie einen Film über das heutige Italien drehen sollten, um das Land der Welt näher zu bringen, welchen Stil würden Sie wählen? Zu welchem Genre würde der Film gehören?

Zeffirelli:
Die wichtigsten Begriffe sind in Italien immer dieselben. Über die Jahrhunderte hat die italienische Gesellschaft immer wieder Persönlichkeiten hervorgebracht, denen alles egal ist, die sich gegenüber anderen für überlegen halten und bei anderen Fehler suchen, um ihre eigenen Mängel zu verbergen.

Aber trotz all dem ist Italien das Land, in dem der größte Teil der Weltkultur geschaffen wurde. Wir ignorieren zu häufig, dass wir große Neuerungen hervorgebracht haben, nicht nur in der Kunst sondern auch in der Naturwissenschaft, der Medizin und der Astronomie.

Euronews:
Gefällt Ihnen das heutige Italien?

Zeffirelli:
Das heutige Italien gibt sich als Weltmacht und hinsichtlich der Wirtschaft ist es das teilweise auch. Aber es gibt eine zu große Verwirrung der Meinungen und Ansichten und eine lächerlich große Zahl von politischen Parteien. In den ersten Jahren unserer Demokratie gab es zwei klare Fronten. Der Rest der Welt war damals ebenfalls in zwei Lager gespalten: Kommunismus und Kapitalismus.

Euronews:
Sie wurden 1994 als Mitglied von Silvio Berlusconis Partei Forza Italia zum Senator gewählt. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Erfahrung in der Politik?

Zeffirelli:
Ich habe nicht das Leben eines Politikers geführt, sondern versucht, die Vorzüge der Italiener hervorzuheben. Ich habe mich für die Grundlagen einer bestimmten politischen Philosophie eingesetzt in Abgrenzung zum Faschismus. Grundsätzlich sollten sich Politiker vom Kulturbetrieb fernhalten, weil sie es ständig falsch anpacken. Umgekehrt sollten Kulturschaffende nicht Politiker werden, weil das in Italien unmöglich ist.

Euronews:
Nehmen wir an, Sie wären heute als Minister für die Kultur veranwortlich. Welche Maßnahmen würden Sie ergreifen?

Zeffirelli:
Ich würde vor allem mehr Schulen eröffnen, damit die Jugend nicht länger Lehrern ausgeliefert ist, die ihnen ein verfälschtes Bild von der Gesellschaft vermitteln. Man muss im Kopf behalten, dass in unserer kleinen Halbinsel vieles von dem entstanden ist, das für die Menschheit große Bedeutung hat. Wir vergessen zu häufig, dass wir eine große Verantwortung tragen. Und das war schon immer der Fall.

Euronews: Sind Sie mit Silvio Berlusconi noch in Kontakt?

Zeffirelli:
Ja, ich mag ihn. Er hat seine Fehler, aber das stört mich nicht. Wenn man jemanden mag, stören einen die Fehler nicht so sehr, aber bei anderen mag man dieselben Eigenschaften überhaupt nicht. Gut, Berlusconi bezahlt für Sex, aber das ist seine Sache. Vor allen Dingen ist er ein Mann, der sich alles selbst erarbeitet hat.

Euronews:
Haben Sie vor, in Florenz ein Museum zu eröffnen?

Zeffirelli:
Ich arbeite im Moment an einer Stiftung, die meinen Namen tragen wird. Ich hatte ein langes, erfülltes Leben und habe vielleicht noch einige Tage, Wochen oder Jahre vor mir. Ich möchte das, was ich geschaffen habe, denen hinterlassen, die davon profitieren könnten. Es geht bei der Stiftung um eine permanente Ausstellung, die alles zeigt, was ich in meinem Leben gemacht habe.

Euronews:
Sie sind in der gesamten Welt beliebt. Mit welchen Schauspielern oder Künstlern hatten Sie die besten Beziehungen?

Zeffirelli:
Der Schauspielerberuf ist sehr wichtig, denn er ermöglicht den Menschen, die Grenzen der Realität zu überschreiten und in eine Fantasiewelt einzutreten. Das Theater ist wie eine Tür, durch die die Träume einer Person einer anderen vermittelt werden können. Denn ein wirklich großer Schauspieler gibt dem Zuschauer Zugang zu dem, was er in sich verbirgt.

Euronews:
Welche Oper repräsentiert Italien am besten?

Zeffirelli:
Da gibt es eine ganze Menge. Mir ist La Boheme ganz besonders wichtig. Wenn ich diese Musik höre, kann ich nichts anderes tun. Sie transportiert mich in die Welt, die Puccini, dieser großartige Verrückte, geschaffen hat.

Euronews:
Könnten Sie uns zum Schluss sagen, welche Hoffnungen Sie für Italien haben?

Zeffirelli:
Wir können alles erreichen, wenn wir nur Gebrauch machen von dem, was das Schicksal uns gegeben hat. Mit unseren Fähigkeiten, unserer spirituellen und kreativen Energie, kann sich jeder sein kleines Paradies schaffen.