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Italiens Wirtschaft vor den Wahlen

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Italiens Wirtschaft vor den Wahlen

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Kleine und mittelständische Unternehmen sind das Rückgrat der italienischen Wirtschaft. Die nächste Regierung steht vor der Herausforderung, diesen Wirtschaftsfaktor zu stärken. Wir haben uns kurz vor den Wahlen in jener nord-italienischen Region umgesehen, die vor einem Jahr von einem Erdbeben heimgesucht wurde.
Im Mai 2012 wurde Norditalien von einem Erdbeben erschüttert. Es traf den östlichen Teil der Region Emilia-Romagna. Dort liegt eines der wichtigsten Industriegebiete des Landes. Es werden hier zwar nur 2 % des BIP produziert, aber viel davon wird exportiert. Am schlimmsten traf es die Provinz Modena. Luciano Galavotti führt mit seiner Frau einen kleinen Metallbetrieb mit 8 Mitarbeitern. Sie produzieren Hydraulikzylinder, sind ein wichtiger Zulieferer. Der Chef sagt:” Durch das Erdbeben ist es schwerer geworden, die monatlichen Rechnungen zu begleichen. Besonders wenn man selbst viele ausstehende Rechnungen hat, die nicht bezahlt werden.”
Mechanik und Automobilbau sind die traditionellen Zweige in der Region. Sie laufen so gut, weil es die richtige produktive Struktur mittelständischer Unternehmen gibt, die viel an Innovation beisteuern. Margherita Russo lehrt Wirtschaftspolitik an der Universität von Modena und führt auch die “Officina Emilia”, eine Museumswerkstatt in Modena. Sie sagt: “ Die Besonderheit dieser produktiven Struktur ist wohl die Fähigkeit, sehr spezifische Bedürfnisse zu befriedigen, in jedem Bereich, von Haute Couture bis Verpackungsmaschinen, von Automobilbau bis Gesundheitswesen.”
Mit 300 Mitarbeitern ist BELLCO ein führendes Unternehmen bei der Produktion von Krankenhausausrüstungen, besonders für Dialyse.
Heute gibt es in der Region mehr als hundert Unternehmen in diesem Bereich mit einem jährlichen Umsatzvolumen von zusammen rund 800 Millionen Euro. Welche Sorgen sie jetzt haben, beschreibt der Chef von BELLCO, Antonio Leone:
“ Es ist die Zahlungsmoral im öffentlichen Sektor. Die spanische Regierung hat im Moment sicher große Probleme. Aber aus Spanien kam Geld. Auf die Begleichung der Rechnungen durch italienische Behörden warten wir immer noch. Für kleine Zulieferer ist das existenzbedrohend.”.
Der Gewerkschafter Vanni Finccarelli von der CGIL warnt:” Wir appellieren an die Unternehmen, sich verantwortungsbewußt zu verhalten und in der Region auch weiter tätig zu sein. Aber wir hören, dass viele ihr zerstörtes Unternehmen nicht wieder aufbauen wollen. Das würde den Schaden noch verschlimmern.”
Die Bilder von umstürzenden Käseregalen gingen nach den Beben um die Welt. Das stürzte die berühmteste Sorte der Region, die schon Boccacio beschrieben hat. Parmigiano-Reggiano ist der König der Käsesorten. Etwa 600.000 Käselaibe stürzten aus den Regalen. Einige wurden später wieder eingeschmolzen und so doch noch verwertet. Der Schaden belief sich auf rund 100 Millionen Euro.
Überlebt haben die Käsehersteller auch dank der Solidarität von Supermärkten und von ihren treuen Kunden. 20 Tage nach dem Beben ging die Produktion weiter.
In der Region sind um die 10.000 Unternehmen vom Erdbeben betroffen – und nicht alle bauen wieder auf. Das lässt auch die Arbeitslosenzahlen steigen. Das verwundert es nicht, dass die Handelskammer von Modena 2013 ein weiteres schweres Jahr erwartet.