Eilmeldung

Eilmeldung

Berlinale: Starke Frauen und ein unbeugsamer Regisseur

Sie lesen gerade:

Berlinale: Starke Frauen und ein unbeugsamer Regisseur

Schriftgrösse Aa Aa

Im eigenen Land gefangen ist er, der iranische Regisseur Jafar Panahi, darf weder Filme machen, noch ausreisen. Auf der Berlinale läuft dennoch sein neuer, heimlich gedrehter Film, “Closed Curtain”. Co-Regisseur Kamboziya Partovi und Hauptdarstellerin Maryam Moghadam stellten ihn vor und nutzen den roten Teppich für eine persönliche Botschaft an den Filmemacher.

“Jafar, ich soll Dir sagen, auch wenn nicht hier neben mir stehst, bist Du trotzdem da. Denn Dein Film wird hier gezeigt und das bist Du!”, sagte Partovi.
“Sie werden hier stark vermisst. Wir hätten Sie so gern bei der Filmvorstellung dabei gehabt. Hoffentlich sehen wir ihn das nächste Mal gemeinsam”, fügte Maryam Moghadam hinzu.

“Closed Curtain” (“Geschlossener Vorhang”) ist ein dichtes Kammerspiel, das die Eingeschlossenheit der Menschen in ihrem eigenen Land spürbar macht.

Panahi wurde von der Mullah-Justiz aus fadenscheinigen Gründen zu sechs Jahren Gefängnis und zwanzig Jahren Berufsverbot verurteilt. Bis zum Ende der Berufung ist er unter Auflagen frei, darf das Land aber nicht verlassen und konnte vor zwei Jahren nicht als Juror bei der Berlinale mitwirken. Er dreht dennoch, heimlich und ohne Genehmigung der iranischen Behörden.

Für Starglanz auf der Berlinale sorgt die Französin Juliette Binoche. Auf ihren Schultern ruht der Beitrag “Camille Claudel 1915” von Bruno Dumont, der mit geistig behinderten Patientinnen einer französischen Klinik gedreht wurde.

Das Drama zeigt drei Tage im Leben der der französische Bildhauerin Camille Claudel, die von ihrer Familie in eine psychiatrische Anstalt gesperrt wurde und vergebens auf Befreiung hofft.
Binoche musste für die Rolle ohne Skript arbeiten. Sie hatte nur die Briefe und Tagebuchaufzeichnungen der verzweifelten Künstlerin, die bis zu ihrem Tod, insgesamt 29 Jahre lang, in der Anstalt blieb.

Ebenfalls im Wettbewerb läuft schließlich das rumänische Familiendrama “Child’s Pose” von Calin Peter Netzer.
Der als kühler Krimi angelegte Streifen mit Luminita Gheorghiu und Bogdan Dumitrache handelt von Machtgier und krankhafter Mutterliebe.
Das Psychodrama spielt in der wohlhabenden Mittelschicht und zeigt eine Frau, die die Kontrolle über ihren bereits erwachsenen Sohn nicht abgeben will. Und eingreift in sein Leben. Als dieser bei einem Autounfall ein Kind überfährt, kommt es zum unvermeidlichen Konflikt.