Eilmeldung

Eilmeldung

Die Berlinale-Sieger

Sie lesen gerade:

Die Berlinale-Sieger

Schriftgrösse Aa Aa

Ein letztes Mal roter Teppich, in die Kamera lächeln, winken, die 63. Internationalen Filmfestspiele von Berlin sind zu Ende. 19 Beiträge waren im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären. Den Ehrenpreis für sein Lebenswerk erhielt der französisch-jüdische Filmemacher Claude Lanzmann. Der 87-jährige scherzte über den goldigen Ehrenbären: “Er ist elegant, leicht und weich, aber auch eine Mordwaffe, damit könnte man durchaus jemanden erschlagen.”

Mit der Dokumentation “Shoah” (1985) über den NS-Völkermord an den Juden hat Lanzmann Filmgeschichte geschrieben.
Für den fast zehnstündigen Film befragte der Regisseur Opfer und Täter und suchte die Orte des Geschehens auf, um das unermessliche Grauen der NS-Vernichtungsmaschinerie wird deutlich zu machen.

Die Jury des internationalen Wettbewerbs stand in diesem Jahr unter dem Vorsitz von Kult-Regisseur Wong Kar-wai.Dieser lobte die gute Team-Arbeit des siebenköpfigen Gremiums. “Wir haben jeden Tag über die Beiträge diskutiert und nicht bis zur letzten Minute gewartet. Wir sind alle zufrieden mit dem Ergebnis.”

Der Hauptpreis der Berlinale ging diesmal nach Rumänien. Ausgezeichnet wurde das Familiendrama “Pozitia Copilului” (“Die Stellung des Kindes”) von Calin Peter Netzer.

Der als kühler Krimi angelegte Streifen mit Luminita Gheorghiu und Bogdan Dumitrache spielt in der wohlhabenden Mittelschicht. Er zeigt eine Frau, die die Kontrolle über ihren bereits erwachsenen Sohn nicht abgeben will und hemmungslos in sein Leben eingreift. Als dieser bei einem Autounfall ein Kind überfährt, kommt es zum erbitterten Konflikt.
Das Psychodrama über Schuld, Verantwortung und Korruption gehörte zu den Favoriten des Festivals..
“Die Idee zu dem Film entstand in der Diskussion mit meinem Drehbuchautor über die Beziehung zu unseren Müttern”, so Netzer.“Das war der Anfangspunkt. Danach haben wir viel Fiktion hinzugefügt.”

Als beste Schauspielerin geehrt wurde die Chilenin Paulina García für ihre Rolle als “Gloria” in Sebastián Lelios gleichnamigen Film.
In dem Publikums- und Kritikerliebling aus Chile spielt García eine Frau Ende 50, die noch einmal von der großen Liebe träumt.
“Ich fühle mich sehr geehrt und bin mir der großen Verantwortung bewusst. Das ist ein wichtiger Schritt für diesen Film, die Schauspieler und Schauspielerinnen in meinem Land. Der Preis ist sehr wichtig für das unabhängige Kino in Chile”, sagte die Darstellerin über ihren Preis.

Die Dänin Susanne Bier gab den Silbernen Bären für den besten Hauptdarsteller bekannt: Nazif
Mujic in “Eine Episode aus dem Leben eines Metallsammlers” von Danis Tanovic. Der Beitrag aus Bosnien-Herzegowina erhielt außerdem den Großen Preis der Jury, überreicht von Tim Robbins.

In dem halbdokumentarischen Film über die Lage der Roma in Bosnien-Herzegovina spielt Nazif Mujic zusammen
mit seiner Frau und Familie eigene dramatische Erlebnisse nach. Der 2001 mit dem Oscar für “No Man’s Land” ausgezeichnete Regisseur Danis Tanovic überzeugte die Familie, an der Low-Budget-Produktion teilzunehmen.
“Ich wusste nicht viel über die Roma außer, dass sie Windschutzscheiben putzen und auf der Straße um Geld betteln. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich diese Menschen kennenlernen und Zeit mit ihnen verbringen durfte. Es sind Menschen, wie wir, die Geld verdienen oder verreisen wollen. Wir haben dieselben Bedürfnisse, da ist etwas von Grund auf falsch mit dem System, wir sollten darüber diskutieren.”

Sozialkritische Filme, starke Frauenporträts und Beiträge aus Osteuropa, so lautet die Bilanz der diesjährigen Berlinale. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals gewann ein rumänischer Film den Goldenen Bären.