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Papstwahl: "Noch hat sich niemand offen für Reformen ausgesprochen"

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Papstwahl: "Noch hat sich niemand offen für Reformen ausgesprochen"

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Knapp zwei Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit ist Papst Benedikt XVI. am Sonntag von mehreren zehntausend Menschen umjubelt worden.

Während der Papst Abschied nimmt, laufen im Vatikan die Vorbereitungen für die Wahl seines Nachfolgers. Das Konklave könnte schon Anfang März und damit früher als geplant beginnen.

Nach einer Umfrage (YouGov im Auftrag von dpa)
wünscht sich eine große Mehrheit der Deutschen vom künftigen Papst Reformen in der katholischen Kirche, etwa bei Sexualmoral oder Zölibat.

Marco Politi, Vatikan-Experte und Papst-Biograf*:

“Natürlich gibt es viele Strömungen im Konklave. Es gibt eine konservative Gruppe. Das ist die, die Ratzinger vor acht Jahren gewählt hat. Diese ultra-konservative Gruppe wird niemanden aufdrängen. Dieses Konklave wird einen Papst der Mitte wählen. Ein vermittelnden Papst. Einen Namen haben wir noch nicht, und wir wissen nicht, wie stark die Liberalen in diesem Konklave sind und was mögliche Kandidaten denken.

Die ganzen Jahre haben wir jetzt gelitten unter Konformismus. Niemand sagte etwas anderes als “Papa” Ratzinger. Aber es gibt ganz reale Probleme wie den Priestermangel, möglicherweise verheiratete Priester, die Rolle der Frau in der Kirche und die weltliche Macht des Papstes. All diese Dinge müssen reformiert werden. Noch hat sich niemand offen für diese Reformen ausgesprochen.”

Auch nach Auffassung des deutschen Kardinals Walter Kasper einige Herausforderungen. “Baustellen gibt es viele” sagte der 79-Jährige im Gespräch mit dpa. Kasper, der bei dem Konklave im März zu den 117 wählenden Kardinälen gehören wird, nannte hier vor allem die Ökumene, die notwendige Reform der Kurie in Rom und die Ausrichtung hin zu einer auf der
südlichen Erdhalbkugel stark wachsenden Weltkirche. Auch sei “die Ökumene aus deutscher und aus universalkirchlicher Sicht eine der offenen Baustellen, an denen dringend weitergearbeitet
werden muss.”

Benedikt XVI. hatte vor einer Woche
angekündigt, am 28. Februar von seinem Amt als Papst zurückzutreten.

Mit dpa

  • Marco Politi: Benedikt
    Krise eines Pontifikats.
    Rotbuch Verlag Berlin, 2012

Marco Politi wurde 1947 in Rom geboren. Der deutsch-italienische Journalist berichtete 20 Jahre lang für die führende italienische Tageszeitung La Repubblica aus dem Vatikan, derzeit arbeitet er für Il Fatto Quotidiano. (Rotbuch-Verlag)