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Gefangen in der Social-Media-Sucht

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Gefangen in der Social-Media-Sucht

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Die meisten von uns tun es täglich, mehrmals am Tag, mitunter stundenlang: twittern, chatten, E-Mails verschicken. Internet hält uns fest im Griff. Über eine Milliarde Menschen sind bei Facebook eingeschrieben, 500 Millionen bei Twitter.
Die neuen sozialen Medien haben eine unwiderstehliche Wirkung. Und sie machen abhängig. Schätzungsweise sieben Prozent der User weltweit leiden unter Internetsucht. Aber kaum einer will es wahrhaben.

Dabei ist die Abhängigkeit ist nicht zu unterschätzen, wie eine von der University of Chicago durchgeführte Untersuchung vor Augen führt.
Die qualitative Studie mit etwa 200 Probanden zeigte, wie schwer es ist, der Verlockung und dem Bedürfnis nach Internet zu widerstehen und welche Selbstkonflikte das bei den Versuchspersonen auslöste.
Facebook, Twitter & Co. bergen ein höheres Suchtpotenzial als klassische Suchtmittel wie Alkohol und Zigaretten.
Lediglich das Bedürfnis nach Schlaf und Sex war bei den Probanden höher.
Doch den sozialen Netzwerken kann man sich nur schwer entziehen. Internet ist allgegenwärtig, steht griffbereit zur Verfügung.
Die Interaktion mit dem Netzwerk setzt sogenannte “Glückshormone” frei. Doch bei Entzug drohen Frustration und Stress. Klassische Suchtsymptome, also. Das Syndrom hat einen Namen: Social-Media-Sucht.

Behandelt wird diese in auf Suchterkrankungen spezialisierten
Einrichtungen, zum Beispiel in der Londoner Tavistock & Portman Clinic.
Richard Graham betreut rund 100 Patienten pro Jahr, die unter Internet-Sucht leiden. Betroffenen sind vor allem junge Menschen.
Wie erkennt man die Abhängigkeit?
“Wenn die Betroffenen anfangen, wichtige Dinge des Lebens wie Ernährung oder Körperhygiene zu vernachlässigen, ist das ein Warnsignal. Wenn der User nicht regelmäßig isst oder trinkt, wichtige Termine verpasst, die Arbeit oder die Uni schwänzt”, sagt Graham.
Dem Psychiater zufolge trifft die Social-Media-Sucht junge Mädchen besonders hart. Der soziale Druck unter Teenagern ist extrem groß. Die Behandlung beginnt mit einem strikten Stundenplan, um die Internetnutzung einzudämmen.

Die britische Autorin Gemini Adams ist bekennender Social-Media-Junkie und hat sich mit Hilfe von Yoga entgiftet.
Sie beschränkt ihre Facebook-Nutzung heute streng: höchstens eine halbe Stunde am Stück. Einen Tag pro Woche nutzt sie gar kein Internet. Die Radikalkur war nötig.
“Als Autorin arbeite ich bei mir zu Hause und ich habe das Internet quasi ständig genutzt für Recherchen. Das ergibt einen ungesunden Rhythmus, 20 Minuten arbeiten, dann bei Facebook einloggen, Nachrichten hinterlassen, Kommentare lesen. Eine halbe Stunde später sitzt man immer noch da und hat seine Zeit verplempert.”
Die Versuchung des Internets wurde der jungen Frau irgendwann unheimlich. Zu groß war die Abhängigkeit.
Über ihren Entzug hat Gemini Adams sogar ein Buch geschrieben “The Facebook Diet” mit vielen praktischen Empfehlungen.