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Französische Regierung holt sich Abfuhr bei Titan

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Französische Regierung holt sich Abfuhr bei Titan

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Auf der Suche nach einem Investor für eine vor der Schließung stehende Goodyear-Reifenfabrik in Amiens hat sich die französische Regierung eine derbe Abfuhr geholt. Nach mehreren Besuchen des Werks schrieb der Chef des US-amerikanischen Unternehmens Titan, Maurice M. Taylor, einen Brief an Industrieminister Arnaud Montebourg, der vor Kritik an Standort und Mitarbeitern nur so strotzt.

“Die französischen Beschäftigten bekommen hohe Gehälter, aber sie arbeiten lediglich drei Stunden”, steht dort zu lesen. “Ich habe ihnen das gesagt, sie antworteten, dass sei der französische Weg. Denken Sie, wir sind so dumm?”, heisst es dort in Bezug auf das Übernahmeangebot.

Mickael Wamen von der Gewerkschaft CGT im Goodyear-Werk in Amiens kommentierte den Brief mit den Worten, Taylor behaupte, die Beschäftigten verdienten ein Vermögen. Man arbeite allerdings im Schichtdientst und erhalten dafür 1500 Euro im Monat. Für ihn sei das kein Vermögen.

Die französische Regierung wollte den von der Wirtschaftszeitung “Les Echos” veröffentlichten Brief am Mittwoch zunächst nicht kommentieren. Montebourg sagte, er wolle den Interessen Frankreich nicht schaden, kündigte jedoch eine schriftliche Antwort an Taylor an.

Der US-Reifenhersteller Goodyear hatte Ende Januar die Schließung des Werks mit knapp 1200 Mitarbeitern angekündigt. Die Unternehmensführung macht die Gewerkschaften für das Scheitern von Sanierungsplänen verantwortlich. Titan-Chef Taylor warnte davor, dass bald chinesische Reifenhersteller Frankreich und Europa mit ihren Produkten überschwemmen würden. Das werde dann wohl auch der französische Produzent Michelin zu spüren bekommen.