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Adoptionsstreit zwischen USA und Russland

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Adoptionsstreit zwischen USA und Russland

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Elena ist im Alter von zwei Jahren adoptiert worden. Heute lebt das Mädchen mit seinen amerikanischen Eltern in Rockville, im US-Bundesstaat Maryland. Ihre Mutter Celia erinnert sich an ihre erste Begegnung: “Ich beugte mich zu ihr herunter und schaute sie an, sie schaute mich an und es war einfach Liebe auf den ersten Blick. Mein Herz machte einen Sprung. Sie ist meine Tochter. Ich musste nur um die halbe Welt reisen, um sie zu finden.”

Als Elena aus einem Waisenhaus in Moskau adoptiert wurde, war sie unterernährt. Mittlerweile ist sie gesund, aber sie hat Lernprobleme. Für Chuck Johnson, den Präsidenten des nationalen Adoptionsrats, ist das nicht überraschend: “Die Forschungsergebnisse sind eindeutig: Ein Monat in einem Kinderheim hat einen enormen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes, auch bei kleineren Gehirnen. Kinder benötigen Familien.”

Laut Mark Eckmann von der Adoptionsagentur DATZ wissen die amerikanischen Eltern, worauf sie sich einlassen, wenn sie ein Kind aus Russland adoptieren: “Die russischen Regeln schreiben vor, dass ein Kind nur ins Ausland vermittelt werden kann, wenn ein medizinischer Grund vorliegt. Theoretisch kann also kein komplett gesundes Kind an Ausländer gehen. Die Familien, die Kinder adoptiert haben, wussten das, ihnen war klar, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt.”

In den vergangenen 20 Jahren wurde 60.000 russische Kinder von US-Familien adoptiert. 19 dieser Kinder starben in der Obhut ihrer Adoptiveltern, in manchen Fällen war es Mord, in anderen fahrlässige Tötung. Johnson findet es frustrierend, dass sich die Politiker einmischen, große Reden schwingen und diese Tragödie für ihre politischen Ziele ausnutzen. Denn in diesem Fall gehe es nicht um die Kinder, sondern darum die USA zu blamieren.

Experten zufolge benötigen viele der adoptierten Kinder aus Russland medizinische und psychologische Behandlung. Unser Korrespondent Stefan Grobe fasst zusammen: “Der Aufruhr in Russland gegen US-Adoptionen hat die Amerikaner verblüfft. Denn Adoptionen sind teuer und Russland hat durchaus an diesem Geschäft verdient. Die vorherrschende Meinung hier ist, dass die Verlierer dieses Konflikts die russischen Waisen sind, da sie kein Zuhause in den USA finden werden.”