Eilmeldung

Eilmeldung

Londons Banker schmollen

Sie lesen gerade:

Londons Banker schmollen

Schriftgrösse Aa Aa

Die EU macht Schluss mit überhöhten Bonuszahlungen an Spitzenbanker.Die Extravergütungen dürfen das eigentliche Gehalt der Banker nicht mehr übersteigen. Unter bestimmten Bedingungen können Aktionäre auf einer Hauptversammlung noch Vergütungen billigen, die doppelt so hoch sind wie das Grundgehalt.
Die Banker schmollen. In der Londoner City sagt einer: “Sportstars verdienen doch auch viel Geld. Ich verstehe nicht, warum die Bankerboni beschränkt werden.” Und sein Kollege meint: “Das ist anti-kapitalistisch. Ich bin total dagegen. Wollen Sie einem Obsthändler verbieten, wieviel Obst er verkaufen darf? Er darf sein Geld behalten. Keiner sagt: Oh, er verdient viel Geld. Lasst uns seinen Verdienst beschränken.”

Die Vorschriften sollen vom 1. Januar kommenden Jahres an greifen.
Sie betreffen laut EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier etwa 8200 Banken. Barnier sagte: “Dies ist ein historischer Kompromiss. Wenn es diese Regeln schon vor fünf oder sechs Jahren gegeben hätte, dann wäre Lehman Brothers nicht zusammengebrochen.”

Großbritannien mit seinem großen Finanzzentrum London war in den
Verhandlungen laut Diplomaten weitgehend isoliert. Londons
konservativer Bürgermeister Boris Johnson reagierte mit scharfer
Kritik: “Alles, was man mit dieser Maßnahme hoffen kann zu erreichen,
ist, auf Kosten einer taumelnden EU (die Finanzzentren) in Zürich,
Singapur und New York zu stärken.” Er fügte hinzu: “Die Menschen
werden sich fragen, warum wir in der EU bleiben, wenn die auf solch
klar erkennbare Eigentor-Politik besteht.” Etwas vorsichtiger äußerte sich der britische Premier David Cameron. Das Regelungspaket müsse so umgesetzt werden, dass die besonderen Bedürfnisse der Londoner City berücksichtigt werden, sagte Cameron.