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Was kann man gegen Gewalt an Schulen tun?

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Was kann man gegen Gewalt an Schulen tun?

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Der Amoklauf an einer Schule kommt auf die Titelseite, aber Mobbing unter Schülern – oft auch via Internet – und Angriffe auf Lehrer erregen weniger Aufmerksamkeit. Gewalt an Schulen ist allgegenwärtig. Belästigungen, Einschüchterungen, Internet-Mobbing, Drohungen, Übergriffe … das alles beeinträchtigt den Unterricht. Was steckt hinter der Gewalt an Schulen und was kann man dagegen tun – unser Thema bei “Learning World”.

Kanada: Reden ist die Antwort

Kommunikation via Smartphone oder Internet ist heutzutage normal für viele Schüler. Aber auch der Missbrauch steigt: Es werden Drohungen und Beleidigungen verschickt, um Mitschüler zu erschrecken oder zu demütigen. Diese Art von Mobbing hat schon Schüler in den Selbstmord getrieben. Wir schauen uns an, was man in Kanada dagegen tut.

Familie und Freunde versammeln sich, um von Amanda Todd Abschied zu nehmen. In einem Video auf Youtube spricht die 15-jährige Amanda kurz vor ihrem Selbstmord von ihrer Verzweiflung und von dem Mobbing, dem sie in der Schule und online ausgesetzt ist. Das Video wurde über 25 Millionen Mal angeklickt und hat weltweite Aufmerksamkeit auf das Thema Internetmobbing gelenkt.

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen die Gefahren des Online-Mobbings. Moderne Technologien verbinden Menschen in riesigen Kommunikationsnetzen. Forscher befürchten, dass dadurch die emphatische Entwicklung von Kindern gestört wird.

In einem Stuhlkreis sprechen Schüler und Lehrer über Sicherheit im Internet und soziale Verantwortung. Ein komplexes Thema, für das es keine klare Strategie gibt. Experten sind sich einig, dass der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen und die Entwicklung von Empathie der Schlüssel zur Lösung ist. Schüler fangen an, über Mobbing zu reden.

Puerto Rico: Internet-Mobbing

Alejandro Castro Santander ist Mitglied der Internationalen Beobachtungsstelle für Gewalt an der Schule. Euronews-Reporterin Aurora Vélez sprach mit ihm darüber, wie man Mobbing verringern und die Schule zu einem sicheren Ort machen kann.

euronews:

“Alejandro Castro Santander, Sie sind Experte für das soziale Verhalten an Schulen. Rückblickend auf ihre 30-jährige Erfahrung, glauben Sie, dass Gewalt an der Schule heutzutage zunimmt?”

Alejandro Castro Santander, Professor an der Katholischen Universität von Argentinien:

“Praktisch ist es so, dass wir das erst seit ein paar Jahren untersuchen. Wir sprechen nicht von einer zunehmenden Gewalt, sondern wir beobachten verschiedene Arten davon. Früher sprachen wir nur über Gewalt, heute müssen wir über Internetmobbing und -gewalt sprechen.”

euronews:

“Sie sagen, dass Gewalt an Grundschulen und weiterführenden Schulen in verschiedenen Formen auftritt. Können Sie uns das besser erklären?”

Alejandro Castro Santander:

“Generell kann man sagen, dass in den ersten Jahren der Grundschule eher physische, direkte Arten von Gewalt auftreten, etwa, wenn jemand getreten wird. Oder man greift jemanden durch Beleidigungen oder Witze an. Aber wenn aus den Kindern Jugendliche werden, verändern sich angesichts der psychologischen Entwicklung auch die Ausdrucksformen. Gewalt wird eher indirekt ausgeübt, die Formen werden subtiler.”

euronews:

“Dann gibt es auch das Phänomen Mobbing. Die Verunglimpfung, die Abwertung einer Person, die darunter so massiv leiden kann, dass sie sich umbringt, wie man an dem Fall in Kanada gesehen hat. Welche Maßnahmen kann man dagegen ergreifen?”

Alejandro Castro Santander:

“Mobbing an der Schule ist die gefährlichste Art von Gewalt. Treten öfters Mobbingsituationen auf, bedeutet das, dass an dieser Schule eine Menge getan werden muss. Heutzutage sprechen wir über drei verschiedene Möglichkeiten, um Mobbing zu verhindern und alle drei müssen angewendet werden: Erstens geht es um eine universelle Prävention, die alle Schüler betrifft. Wir sprechen hier von emotionaler bzw. sozialer Erziehung. Zweitens gibt es eine sekundäre Prävention, für Schüler in Gefahr und die dritte Präventionsmaßnahme betrifft die echten Mobbingopfer, deren Prozentsatz zwar niedrig ist, aber sie haben ein hohes Maß an Gewalt erlebt.”

euronews:

“Welche Anzeichen muss man beachten? Wie erkennt man die Risikogruppe?”

Alejandro Castro Santander:

“In der Risikogruppe finden wir sowohl die Opfer wie die Täter. Wir kennen inzwischen Indikatoren, die den Lehrern zeigen, dass man Ursachen für Mobbing auch außerhalb der Schule suchen muss. Es geht nicht nur um das, was in der Schule passiert. Hier geht es um den Schüler, der ausgeschlossen wird, dessen Verhalten sich ändert, der traurig ist, dessen Noten sich verschlechtern. Über all diese Veränderungen muss man auch die Eltern informieren.”

Frankreich: der Lehrer als Mobbingopfer

Ein Neuansatz pädagogischer Leitlinien kann also helfen. Ein anderer Vorschlag kommt von den Besuchern unserer Social-Media-Seiten, die Schulklubs und außerschulische Aktivitäten vorschlagen. Wir sprechen mit Lehren in Frankreich, die Mobbing erlebt haben, über ihre Meinungen.

Chantal Viroulard war schon immer Lehrerin mit Leib und Seele. Das Mobbing begann mit kleinen Beleidigungen. Eines Tages eskalierte die Situation: Eine mit Säure gefüllte Flasche wurde ins Klassenzimmer geworfen. Die Lehrerin wurde nicht verletzt, aber das Beispiel zeigt, dass auch Lehrer Opfer von Gewalt werden können. Extreme Gewalt ist zwar selten, aber es kann dazu kommen, wenn Mobbing nicht rechtzeitig gestoppt wird.

An einer Schule in Roubaix in Nordfrankreich scheint man den Schlüssel gefunden zu haben. Die Schule hatte nicht den besten Ruf. Fehlender Respekt gehörte zum Alltag und es waren immer die gleichen Schüler, die auffielen. Lehrer Eric Hide: “Diese Dinge passieren, weil die Schüler nicht begreifen, warum sie in der Schule sind. Ein Großteil unserer pädagogischen Arbeit verwenden wir auf den Aufbau von Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern, dass verändert die Einstellung zum Lernen und zur Schule, sie werden neu bewertet.”

Die Lehrer arbeiten mit Computern und geben interaktive Kurse. Schüler mit Problemen werden individuell betreut. Alle Schüler fühlen sich einbezogen, auch die auffälligen.