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Die USA und Chavez: Wenn ein Gegner fällt...

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Die USA und Chavez: Wenn ein Gegner fällt...

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Er war kein Freund der USA, beschimpfte sie als imperialistische Großmacht und ließ keine Gelegenheit aus, sich über das Land lustig zu machen. Doch wenn ein Gegner fällt, erkennt man erst, dass er doch ein herausragender Mann war. Dies ist eine der Reaktionen aus den USA auf den Tod von Hugo Chavez.

Diana Villiers Negroponte von der Brookings Institution in Washington sprach mit unserem Amerika-Korrespondenten Stefan Grobe auch darüber, was auf den Nachfolger zukommt und was sich Washington nun erhofft. Villiers Negroponte sagte: “In Venezuela herrscht eine schwere wirtschaftliche Krise. In den Regalen der Läden ist alles knapp: Es gibt nur wenig Reis, wenig Milch, wenig Kaffee. Medikamente sind knapp, Ersatzteile für Maschinen, elektronische Geräte, Möbel. Es fehlt an allem. Den Venezolanern ist klar, dass es ernsthafte Probleme in ihrem Land gibt, denen sie sich stellen müssen und gegen die der Chavez-Nachfolger etwas tun muss.”

Die Gewinne aus dem Ölgeschäft, so Villiers Negroponte weiter, habe Chavez wie sein eigenes Portemonnaie benutzt, damit habe er Anhänger bezahlt und gewogen gehalten. Die USA hofften nun, dass es eine faire Wahl in Venezuela geben werde. Das sei das Einzige, was Washington jetzt von Caracas erwarte.

Auch sprach die Analystin dem venezolanischen Volk und der Familie und den Freunden von Hugo Chavez ihr Beileid aus. Zur großen Beliebtheit des venezolanischen Präsidenten meinte Villiers Negroponte: “ Ein Populist braucht ein Thema, das vereint, um das seine Gefolgsleute sich scharen können. Chavez kamen da Themen wie Anti-Imperialismus und Anti-Amerikanismus sehr gelegen. Ob der Nachfolger auf dieser Linie weiterfahren wird, ist nicht sicher, denn venezolanisches Öl wird ja schließlich an Raffinerien in den USA verkauft. Venezuela braucht Nahrungsmittel und stellen Sie sich vor, die kommen aus den USA. Daher sind also starke Verbindungen zwischen Venezuela und Investoren aus den USA für Caracas unabdingbar, wenn das Land aus seiner wirtschaftlichen Krise herauskommen will. Wir haben uns einiges an Beleidigungen und Propaganda gefallen lassen und wir stecken das weg, aber irgendwann muss auch Venezuela der Realität ins Auge schauen. Ich würde sagen, dem Venezuela der Nach-Chavez-Ära würde eine Dosis Realität ganz gut tun.”