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Die große Ungewissheit vor dem Konklave

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Die große Ungewissheit vor dem Konklave

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Im Vatikan beginnt ein neuer Abschnitt der Kirchengeschichte. Am Dienstagmorgen versammelten sich die 115 Kardinäle, die aus ihrer Mitte den nächsten Papst wählen, zunächst zum gemeinsamen Gottesdienst.
Der überraschend zurückgetretene Papst Benidikt XVI. hat mit seinem Schritt ein Tabu gebrochen – seit tausend Jahren war kein Papst mehr freiwillig aus dem Amt geschieden. Also wird nun viel darüber spekuliert, welche bisher als undenkbar geltenden Veränderungen noch folgen können, nachdem der deutsche Papst am 11. Februar auf Latein verkündete, dass er in völliger Entscheidungsfreiheit beschlossen habe, sich vom Amte des Bischofs von Rom, des Nachfolgers des heiligen Petrus, zurück zu ziehen – auf das sein Pontifikat, das am 19. April 2005 begonnen hatte, am 28. Februar 2013 um 20 Uhr enden werde.
Dem Konklave ging die Kardinalskongregation voraus, ein Gedankenaustausch, bei dem es so viele Wortmeldungen gab, dass die Redezeit begrenzt werden musste. Der Kardinaldekan, der Italiener Angelo Sodano, der aus Altersgründen nicht mehr an der Wahl teilnehmen darf, sagte in seiner Predikt, bevor die Kardinäle zur Wahl in die Sixtinische Kapelle zogen: “Wir bitten unseren Herrgott um Beistand für die Kardinäle, auf das sie in Bälde einen neuen Oberhirten für unsere heilige Kirche finden.”
Sodano wünscht sich einen Hirten, der ganz und gar aufgeht in der Hingabe für seine Schäfchen.
Aber auf welche Weise? Darüber sind durchaus nicht alle Kardinäle einer Meinung.
Angelo Scola, Erzbischof von Mailand, sieht manches anders als die Kurie, die eigentliche Kirchenregierung im Vatikan. Er ist für weniger Bürokratie, möchte Reformen im Interesse seiner Gemeinden. Der Brasilianer Odilo Scherer gehört zwar seit einigen Jahren zur Kurie – hat dabei aber die Interessen der Seelsorger daheim in Lateinamerika nicht vergessen. Er könnte sowohl von Kurienkardinälen als auch von den Lateinamerikanern unterstützt werden. Aus Nordamerika kommen auch einige “papabili”. Dazu gehören Timothy Dolen, der Erzbischof von New York, Sean O´Malley, der Erzbischof von Boston und auch der Kanadier Marc Ouellet. Vom ihm war allerdings zu hören, der Gedanke an das Papstamt sei für ihn ein “Albtraum”.