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"Fantasporto" ehrt Manoel de Oliveira

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"Fantasporto" ehrt Manoel de Oliveira

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Für Nervenkitzel und Gänsehaut sorgt das internationale Festival des fantastischen Films in Porto. Die diesjährige 33. Ausgabe beglückte die Fans mit neuen Horrorperlen, Hommagen an die Meister des Genres, rasanten Festen und einem stattlichen Wettbewerb.
Den Preis für den besten fantastischen Film erhielt der Argentinier Andy Muschietti für den übernatürlichen Thriller “Mama” mit Hollywood-Star Jessica Chastain. Der von Guillermo del Toro produzierte Streifen über eine etwas andere Mutterliebe vermischt klassische und moderne Horrorelemente.

“Mama” ist Muschiettis Spielfilmdebüt, basierend auf einem gleichnamigen Kurzfilmprojekt, seine Schwester Barbara war als Drehbuchautorin und Co-Produzentin beteiligt. “Dass unser Film derart erfolgreich sein würde, hätten wir nicht geahnt”, so der Regisseur. “Er stand gleich nach der ersten Woche in den US-Kinocharts auf Platz eins.”

Der anerkannte britische Autor und Filmkritiker Kim Newman, Jury-Mitglied der diesjährigen Festivalausgabe, war zufrieden mit der Filmauswahl. “Es gab genug gute Beiträge, damit wir und über den Preisträger streiten konnten. Ein paar Filme gefielen uns weniger gut, aber so ist nun mal. Insgesamt war es ein toller Filmmarathon.”

Der Publikumspreis ging an den norwegischen Beitrag “Thale – ein dunkles Geheimnis” von Alexander Nordaa. Der Streifen dreht sich um eine mysteriöse stumme Frau, die jahrelang in einer einsamen Waldhütte eingesperrt wurde. Vorlage war die nordische Legendenfigur Hulda, erklärt Hauptdarstellerin Silje Reinamo. “Jeder in Skandinavien kennt diese Kreatur, aber es gab noch nie einen Film über sie, ich bin die Erste. Sie sagt den ganzen Film über nicht ein einziges Wort. Ich musste alles nur mit Körpersprache und Blicken ausdrücken. Das war eine eindrucksvolle Erfahrung.”

Ehrengast des Festivals war der portugiesische Regiemeister Manoel de Oliveira, 104 Jahr jung und bei der Sondervorführung seines Kultstreifens “Aniki Bóbó” höchstpersönlich mit dabei. Das neorealistische Werk feierte vor 70 Jahren Premiere.

“Was mich besonders berührt: Der Film wurde damals von der Kritik nicht besonders gut aufgenommen. Und heute ist er einer meiner bekanntesten Streifen”, so Manoel de Oliveira.

Aniki Bóbó war der erste Langfilm im Werk des portugiesischen Regie-Methusalems, gedreht mit Laienschauspielern in seiner Heimatstadt Porto. Er erzählt die Geschichte von zwei Jungen, die um dasselbe Mädchen buhlen.

euronews-Reporter Ricardo Figueira:
“Vieles hat sich verändert in den vergangenen 70 Jahren, doch Portos Hafenviertel, in dem Manoel de Oliveira sein Meisterwerk drehte ist immer noch wiederzuerkennen. Wer hier spazieren geht, stößt auf die Geister der portugiesischen und internationalen Kino-Geschichte.”