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Neuer Papst, neue Hoffnung


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Neuer Papst, neue Hoffnung

euronews-Reporter Rudolf Herbert sprach mit dem renommierten Theologen und Kirchenkritiker Professor Hans Küng über die Zukunftsperspektiven nach der Papstwahl.

Rudolf Herbert, euronews:
“Herr Küng, in Rom fand ein riesiges Medienspektakel statt, die Wahl war eine Überraschung. Doch wird der neue Papst angesichts seiner gebrechlichen Gesundheit nicht nur ein Übergangspapst sein?”

Hans Küng, Theologe und Kirchenkritiker:
“Da habe ich keine Sorge, das wird kein Übergangspapst sein. Johannes XXIII. hat nur fünf Jahre gewirkt und hat in der Kirche mehr verändert in der Kirche, als 500 Jahre Päpste zuvor. Der heutige Papst hat schon an einem Abend gezeigt, dass er die ganze Atmosphäre verändern kann durch sein einfaches, schlichtes Auftreten.”

euronews:
“Wie ist diese Wahl zu deuten? Wird Franziskus ein Papst der Armen sein? Er kommt von dem Kontinent mit den meisten katholischen Gläubigen und mit großen sozialen Problemen.”

Hans Küng:
“Er wird sicherlich nicht wie die beiden vorigen Päpste die Ost-West-Problematik in den Vordergrund stellen, sondern mehr die Nord-Süd-Problematik und damit natürlich all die Probleme der Armen dieser Welt. Das hat auch sehr viele moralische Implikationen, denken Sie an die Überbevölkerung, denken Sie an die Geburtenregelung. All das wird jetzt neu zur Debatte gestellt werden müssen.”

euronews:
“Welches ist die dringlichste Aufgabe des neuen Papstes? Geht es auch darum, Klarheit zu schaffen in den Missbrauch-Skandalen, im Vatileaks-Skandal?”

Hans Küng:
“Durchaus, der neue Papst ist der Einzige, der den Geheimrapport, den die drei Kardinäle zu Händen des Vorgängers Papst Ratzinger gemacht haben, zu sehen bekommt. Da wird er merken, wer in der Kurie nicht verlässlich ist und was alles gegangen ist. Die wichtigste Aufgabe ist eine Kurienreform, ist eine klare Konzeption, wie nun die Kirche geleitet werden soll. Es wird darauf ankommen, dass er den richtigen Staatssekretär wählt, dass er die Chefs der römischen Ministerien oder Dikasterien nicht einfach bestätigt, sondern kompetente Leute heranholt, um die Kirche wirklich reformieren zu können. Wir brauchen nichts dringender, als eine Reform des römischen Hofstaates, der zu einer Zentrale der Kirche werden muss, die wirklich funktioniert und nicht nur obstruiert.”

euronews:
“Wie viel Kirche brauchen die Menschen heute überhaupt? Wofür ist die katholische Kirche heute zuständig?”

Hans Küng:
“Eine Kirche kann eine moralische Instanz sein in der Welt, wenn Sie eben richtig funktioniert. Aber dann darf sie nicht pharisäisch auftreten, nicht mit dem moralischen Zeigefinger. Sie muss auf die Nöte der Menschen eingehen, Verständnis haben und Solidarität auch mit den anderen christlichen Kirchen und mit den Weltreligionen, für Frieden in der Welt arbeiten. Also da bestehen gewaltige Aufgaben und ich hoffe, dass dieser Papst mehr tut für die Erneuerung der Kirche, mehr tut für die Ökumene der christlichen Kirchen, mehr tut für den Frieden und das Wohlergehen der Welt, als seine beiden Vorgänger.”

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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