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Russland will von Zypern-Krise profitieren

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Russland will von Zypern-Krise profitieren

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Zyperns Präsident Anastasiades griff zu einem drastischen Vergleich: Die derzeitige Krise sei schlimmer als der türkische Einmarsch 1974. Zweifellos treffen die mit den Geldgebern getroffenen Beschlüsse vor allem Kleinsparer in dem Land. Denn an der Rettung der Banken sollen deren Kunden beteiligt werden; insgesamt fast 6 Milliarden Euro sollen so zusammenkommen.

Damit Geld aus dem zehn Milliarden Euro Hilfspaket fließt, ist vorgesehen, dass Bankkunden, die weniger als 100 000 Euro auf dem Konto haben, 6,75 Prozent ihres Guthabens zahlen, wer mehr hat, wird mit 9,9 Prozent zur Kasse gebeten.

Betroffen von der Abgabe sind dabei auch russische Anleger – Einzelpersonen wie Unternehmen. Sie haben laut der Agentur Interfax in Zypern insgesamt mehr als 15 Milliarden Euro liegen. Was die einen ärgert, sehen andere mit Wohlwollen. Der Regierung in Moskau, so schätzen Beobachter, könnte die Zypern-Krise durchaus gelegen kommen.

Der Politikwissenschaftler Nikolai Petrow: “Vom Standpunkt der russischen Regierung aus hat diese Krise auch einen positiven Aspekt. Denn nun wird es unattraktiver und unprofitabler, Geld in Zypern zu lagern. Das passt zur Strategie Putins, der seit langem gegen Konten und russisches Geld im Ausland vorgehen will. “

2011 hatte Russland Zypern einen Milliardenkredit gewährt, vergangenes Jahr allerdings wies Moskau eine erneute Nachfrage zurück und verwies an die EU. Beobachter schätzen, dass Russland jetzt wieder Geld schicken könnte, wenn Zypern im Gegenzug Namen russischer Anleger nennt oder die Zwangsabgabe für Russen mildert.