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Obama an Israelis und Palästinenser: Springt über euren Schatten!

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Obama an Israelis und Palästinenser: Springt über euren Schatten!

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Gleich auf dem Flughafen in Tel Aviv kam der US-Präsident zur Sache. Wenn er schon keinen Friedensplan mitbringen konnte – dann wenigstens klare Worte: “Zu Beginn meiner zweiten Präsidentschaft ist Israel das erste Ziel bei meiner ersten Reise. Das ist kein Zufall. Der Wind des Wandels weht durch die Region und bringt Hoffnung wie Risiko.” Darum sehe er seine Reise als Möglichkeit, das zwischen zwei Nationen zerissene Band neu zu knüpfen, indem er direkt mit Israelis und deren Nachbarn spreche. Obama betonte, Amerika verstehe Israels Sicherheitsbedürfnis. Noch am Flughafen zeigte ihm Gastgeber Benjamin Netanjahu eine Einheit des Raketenabwehrsystems.
Später sollte man Obama warnen hören, auf Dauer seien keine Mauern und kein Raketenabwehrsystem perfekt genug, um alle Feinde fernzuhalten. Sein schwieriges Verhältnis zu dem nun wieder gewählten israelischen Regierungschef Netanjahu ist bekannt. Obama versuchte die Lage erst einmal verbal zu entspannen. Auf seine Frage : “Wo gehts lang?”, antwortete Netanjahu : “Immer der roten Linie folgen” – worauf Obama scherzte: “Er redet ständig von roten Linien”. Dafür redete Obama dann bei einem Treffen mit jungen Israelis von der Gefahr, an roten Linien stecken zu bleiben. Er sagte, Israel müsse begreifen, dass seine andauernde Siedlungspolitik für eine Friedenslösung kontraproduktiv sei. Ein unabhängiges Palästina müsse in einem zusammenhängenden Staatsgebiet lebensfähig sein, in realistische gezogenen Grenzen. Die jungen Israelis applaudierten begeistert – woraufhin die “Jerusalem Post” kommentierte: “Frieden wird kommen, wenn er für eine ähnliche Rede in Ramallah vergleichbare Ovationen bekommt.”
Doch dort war der Empfang eher frostig, die Palästinenser beharren auf der Vorbedingung: Erst Siedlungsstopp – dann Friedensgespräche. Die fühlen sich von Obama im Stich gelassen. Obama sagte nach seinem Gespräch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas: “Die Schlüsselfrage ist jetzt, wie bekommen die Palästinenser Souveränität und die Israelis Sicherheit.” Er wolle die Siedlungsfrage nicht kleinreden, aber wenn die beiden anderen Probleme gelöst würden, sei damit auch die Siedlungsfrage gelöst. Obama redete Klartext und forderte beide Seiten auf, über ihren eigenen Schatten zu springen. Das bedeute für die Palästinenser aber auch, dass sie die bittere Wahrheit akzeptieren müssten, nie mehr in die Heimat ihrer Vorväter im heutigen Israel zurückzukehren.