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Russisch-chinesische Zweckgemeinschaft

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Russisch-chinesische Zweckgemeinschaft

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Sie haben es beide eilig, persönlich beim großen Partner vorzusprechen. Wladimir Putin war gerade erst einen Monat wieder im obersten Staatsamt, als er im Juni 2012 nach Peking reiste. Und jetzt verliert auch der neu gewählte chinesische Staats- und Parteichef Xi Ingping keine Zeit. Sein erstes Reiseziel heisst Moskau. Beim Thema Syrien liegen beide Vetomächte im UN-Sicherheitsrat auf einer Linie. Mit ihrem Abstimmungsverhalten haben beide bisher eine Resolution gegen die Führung in Damaskus verhindert. Dabei lassen sich beide vom gleichen Interesse leiten – sie befürchten eine Hegomonie der amerikanischen Außenpolitik, wollen das um jeden Preis vermeiden.
Wirtschaftliche Interessen werden in den russisch-chinesischen Beziehungen immer wichtiger. Von einer “Zweckgemeinschaft” ist die Rede, die beide Seiten für ausbaufähig halten. Gerade weil beide Volkswirtschaften unterschiedlich strukturiert sind. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt wuchs 2012 um 7,8 Prozent – das russische nur um 3,5 Prozent. China profitierte von seinen Billig-Exporten, Russland ist immer noch viel zu einseitig von seinem Öl- und Gasreichtum abhängig. Der gegenseitige Warenaustausch hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ganz pragmatisch als “kleiner Grenzverkehr” am Amur begonnen und wird inzwischen auch auf Militär- und Raumfahttechnologie ausgedehnt.
Im Laufe von 20 Jahren ist der Umfang des Handels um das Vierzehnfache gewachsen und hat ein Volumen von 68 Milliarden Euro erreicht. Bis 2015 streben beide Seiten mehr als 77 Milliarden Euro an. Da könnte Energie zum großen Thema für die Nachbarländer werden. Russland hat die Rohstoffe und Chinas Energiehunger wächst immer weiter. Moskau möchte gern die jährlichen Erdöllieferungen verdoppeln. Zur Zeit liefert der Staatskonzern Rosneft bis zu 15 Millionen Tonnen pro Jahr. Das andere große russische Ziel lautet: Die Gaslieferungen nach China in den kommenden 30 Jahren bis auf 70 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu steigern. Als Werkstatt der Welt hat China seinen wirtschaftliche Aufstieg begonnen und ist dabei auch zum Motor für weltweites Wirtschaftswachstum geworden. Beide Länder haben ein Interesse daran, ihre Wirtschaftsstruktur zukunftsfähig zu entwickeln.