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Der "Pate des Kreml"

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Der "Pate des Kreml"

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Mit dem Tod des Oligarchen Boris Abramowitsch Beresowski ist eine Ära zuende gegangen. Im postsowjetischen Russland stieg er schnell zum reichsten Mann des Landes auf, der als Pate des Kreml galt. Er baute sich ein Netz von Kontakten zu Politikern auf, insbesondere zu Boris Jelzin. Ihm verhalf der Multimilliardär Beresowski 1996 mit viel Geld und seinem eigenen Fernsehsender zur Wiederwahl. Bei den Privatisierungen staatlicvher Konyerne konnte sich der studierte Mathematiker und erfolgreiche Autohändler den Löwenanteil am Ölkonzern Sibneft sichern. Auch bei Aeroflot stieg er groß mit ein. Im Tschetschenien-Konflikt soll Beresowski, mittlerweile gefürchteter Strippenzieher der politischen Bühne, vermittelt haben. Im Gegenzug für seine Unterstützung machte Jelzin Beresowski zum Vize-Präsident des Nationalen Sicherheitsrates und später zum Exekutiv-Sekretär der GUS. 1999 ebnete er dem damals noch recht farblosen Kronprinzen Vladimir Putin den Weg an die Spitze Russlands.
Doch dieser ließ sich nicht von Beresowski kontrollieren und servierte ihn ab. Im November 2000 zog Beresowski nach London und erhielt dort 2003 politisches Asyl. In Russland wurde 2001 Haftbefehl gegen ihn erlassen. Es ging um die Unterschlagung von Millionenbeträgen.
Zu einem Gerichtsverfahren kam es schließlich 2012 in anderer Sache in London. Beresowskis Zögling und einstiger Geschäftspartner
Roman Abramowitsch lieferte sich mit ihm einen Showdown, bei dem es um Milliarden ging. Beresowski verlor. Zuletzt hatte der einstige Oligarch seine Macht, seinen Einfluss und einen Großteil seines Vermögens eingebüßt. Inzwischen will ein Journalist des Magazins Forbes am Tag vor Beresowskis Tod von ihm erfahren haben, dass er eigentlich nach Russland zurückkehren wolle und dass er keinen Sinn im Leben mehr sehe.