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Boris Beresowski - Aufstieg und Fall eines Oligarchen

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Boris Beresowski - Aufstieg und Fall eines Oligarchen

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Seit 2000 im Kreml Wladimir Putin regierte, war in Moskau kein Platz mehr für die Ober-Oligarchen aus der Jelzin-Ära. Vielleicht gerade, weil Boris Beresowski sich gern damit brüstete, Putin den Weg nach oben geebnet zu haben, drängte der ihn aus dem Land, weit weg von jeder politischen Einflußnahme. Vielleicht hatte der studierte Mathematiker Beresowski einfach einen Fehler in seiner Machtrechnung, als er meinte, mit Putin so umgehen zu können wie mit Vorgänger Jelzin.

Bereichert hat sich Beresowski wie alle Oligarchen am Vermögen des Volkes. Nur verstand er es geschickter als andere, auch die Nähe zur Politik zu nutzen. James Nixey von britischen “The Royal Institute of International Affairs” bezeichnet ihn als das “Urbild des russischen Oligarchen”. Zunächst war er einer der reichsten, verdiente an Autos, Metallen und Öl. Er wurde einer der einflußreichsten Geschäftsleute zu einer Zeit, als Geschäft und Politik in Russland eng verbandelt waren. Das war in den 1990er Jahren, als er Einfluß auf Präsident Jelzin hatte.

Als vor der Präsidentschaftswahl 1996 Jelzin in den Umfragen hoffnungslos hinter dem Kommunisten Sjuganow zurücklag, organisierte er die geballte Wahlkampfhilfe der Oligarchen. Mit Geld, mit den Medien, die sie besaßen, retteten sie Jelzin die Wiederwahl. Beresowski wurde dafür mit Präsidenten-Nähe belohnt. Jelzin gab ihm einen Sitz im einflußreichen Sicherheitsrat, wo sich dann Beziehungen zum damaligen Tschetschenen-Führer Maschadow ganz von selbst ergaben.

Zum Ende des Jelzin-Jahrzehnts wurde dann ein loyaler Nachfolger gebraucht. Auch hier war Beresowski behilflich, in kürzester Zeit einen jungen Aufsteigen mit Namen Putin zu fördern. Nur funktionierte der dann nicht so, wie es sich Beresowski und andere Oligarchen gedacht hatten. “Putin war nicht Jelzin”, konstatiert der britische Beobachter. “Jelzin war viel schwächer. Und als Putin die Oligarchen zu machtvoll wurden, zumal Beresowski als der führende Oligarch, da statuierte Putin an ihm ein Exempel.”

Das Ende ist schnell erzählt. Ein Oligarch fühlte sich von einem anderen betrogen. In seinem Londoner Exil zog Beresowski gegen Abramowitsch vor Gericht, der ihn angeblich gezwungen hatte, bei seiner Flucht aus Russland Anteile am Ölunternehmen Sibirneft zum Schleuderpreis zu verkaufen. Beresowski verlor und war nahezu pleite. Ob er aus Kummer darüber nun Selbstmord beging oder einen Herzinfarkt erlitt, ob es Mord war – wer weiß.