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Chinas Weltinteressen - von Russland nach Afrika

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Chinas Weltinteressen - von Russland nach Afrika

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Die erste offizielle Auslandstour des neuen chinesischen Präsidentenpaares muss man ganz einfach taktisch gut überlegt nennen.

Erste Station beim großen Nachbarn Russland: Moskau und Peking haben längst erkannt, wie wichtig sie für einander sind. China ist heute nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde – und Russland ist bei all seinen Ambitionen keine Supermacht mehr.

Außenpolitisch stimmen beide Vetomächte im UN-Sicherheitsrat weitgehend überein, zum Beispiel bei der Ablehnung von Resolutionen gegen Syriens Machthaber.

Der chinesische Präsident Xi Jinping sprach von “einer Ära des Wandels in einer sich wandelnden Welt”, in der Frieden, Entwicklung, Zusammenarbeit und win-win-Situationen den Trend der Zeit bestimmen sollten.

Das Kolonialsystem sei zusammengebrochen und auch der Kalte Krieg habe sich erledigt. Die Welt werde nicht mehr von einem einzigen Land oder Block dominiert.

Ganz in diesem Sinne reiste er von Moskau nach Afrika, zunächst nach Tansania. Nach Einschätzung politischer Beobachter hat er diese erste Station auf dem afrikanischen Kontinent gewählt, um zu zeigen, dass China nicht nur am kurzfristigen Geschäft mit Rohstoffen interessiert sei.

Das könnte man schon als Antwort auf kritische Stimmen verstehen, wie jene des Notenbankchefs von Nigeria, der das Verhältnis Chinas zu Afrika als “im Kern kolonialistisch” bezeichnete.

Waren “made in China” überschwemmen alle afrikanischen Märkte. Das chinesische Statistikbüro liefert Zahlen zum bilateralen Handel. Der ist von 7,7 Milliarden Euro 2000 auf 128 Milliarden Euro 2011 gestiegen.

Für Tansania ist China schon lange der wichtigste Wirtschaftspartner. Was sein Land genau braucht, erklärt der tansanische Präsident Jakaya Mrisho Kikwete: “Wir benutzen immer noch die traditionelle Technologie der Hacke in Ackerbau. So kann man Landwirtschaft nicht entwickeln, ohne Dünger, ohne besseres Saatgut, ohne zusätzliche Bewässerung. Wir brauchen die Technologie, die uns vorwärts bringt.”

China baute zu Beginn der 1970er Jahre eine Eisenbahnlinie von Tansania nach Sambia, die den gerade erst unabhängig gewordenen Ländern die Nutzung ihrer Bodenschätze ermöglichte. Das hat man den Chinesen dort nicht vergessen.

Über die ersten Auslandsreisen des neuen chinesischen Staatschefs hat Euronews mit Dmitri Mosjakow gesprochen; er leitet in Moskau das Südostasienzentrum.

Euronews: Was bedeuten diese ersten Reisestationen?

Mosjakow: Sie zeigen außenpolitisch die Prioritäten des modernen Chinas und seiner neuen Regierung. Aus deren Sicht wird Russland allmählich zu einem sehr engen Verbündeten.

Das mit Afrika ist etwas anderes: Es ist eins der wichtigsten Ziele der chinesischen Wirtschaftsinteressen, und China will seinen Einfluss ausbauen.

Chinas Entwicklung braucht zum einen Sicherheit im Norden; diese Sicherheit kann durch die Beziehung zu Russland gewährleistet werden.

Zum anderen braucht es mineralische Rohstoffe, die zum größten Teil in Afrika liegen.

Euronews: Russlands Präsident nennt den Besuch symbolisch. Welche Art Beziehung sehen Sie zwischen Russland und China?

Mosjakow: Diese Beziehung wird sich vertiefen. Beide Länder haben in der Welt gemeinsame Interessen und gemeinsame Ziele.

China kommt in eine schwierige Phase mit den USA. Die USA wollen unbedingt den Machtzuwachs Chinas aufhalten, wie die Machtausweitung in Südostasien. Dazu kommt noch Chinas schwieriges Verhältnis zu Japan.

Russland hat in dieser Lage ein großes Interesse daran, die Beziehungen zu China zu festigen, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch.

Eine engere Beziehung zu China stärkt auch Russlands eigene Stellung in Verhandlungen mit der Europäischen Union und den
USA.

Euronews: Eine russische Zeitung nennt Afrika eine Trumpfkarte in einem weltweiten Spiel, das China sehr erfolgreich spielt. Hat China in diesem Spiel überhaupt Konkurrenten?

Mosjakow: Natürlich. Dieser Kampf um mehr Einfluss wird deutlich in verschiedenen Bereichen.

Die chinesischen Medien sehen zum Beispiel die Probleme in Mali völlig anders. Im Westen geht es dabei um den Kampf gegen Islamisten und Extremisten, die das Land übernehmen wollen.

In den chinesischen Medien heißt es dagegen, der westliche Militäreinsatz solle China aus dem Land treiben und ihm die dortigen Rohstoffe verwehren – besonders die seltenen Erden, die dort gefunden wurden und die China abbauen will.

Afrika wird zum Schauplatz eines erbitterten Kampfes. Die früheren Kolonialmächte oder auch die USA könnten es nicht hinnehmen, wenn Afrika die Rohstoffe für Chinas Wachstum lieferte.