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"Das Geschäftsmodell Zyperns wurde zerstört - es wird lange brauchen, um sich zu erholen"

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"Das Geschäftsmodell Zyperns wurde zerstört - es wird lange brauchen, um sich zu erholen"

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Zypern soll von EU und Internationalem Währungsfonds bis zu zehn Milliarden Euro bekommen, um den Staatsbankrott abzuwenden. Im Gegenzug soll der zyprische Finanzsektor umstrukturiert werden – Guthaben von Kleinsparern sollen sicher bleiben.

Die zweitgrößte zyprische Bank Laiki wird abgewickelt. Sie soll geteilt werden in eine gute und eine Bad Bank. Die “Good Bank” soll alle Geldeinlagen bis zu 100.000 Euro, einen Teil der Gebäude und die Kredite beinhalten, die normal bedient werden. Dieser Teil soll mit der Bank of Cyprus zusammengelegt werden.

Die “Bad Bank” soll die Großguthaben, unsicheren Kredite und nicht benötigten Gebäude umfassen.

Auch bei der “guten” “Bank of Cyprus” werden Guthaben über 100.000 Euro eingefroren.

Welchen Anteil dieses nicht geschützten Geldes die Anleger wohl nicht mehr wiedersehen, weil damit die geforderten 5,8 Milliarden Euro zypriotischer Eigenleistung aufgebracht werden? Rund 30 Prozent, schätzt ein Sprecher der zypriotischen Regierung.

Und die Aktionäre der Bank? Die Besitzer von Bankschuldverschreibungen? Schauen in die Röhre, vermutlich.

5,8 Milliarden Euro – das entspricht vier von fünf Euro, die der Staat Zypern so Jahr für Jahr einnimmt.

Der Plan für Zyperns Banken


  • Durch den EU-Rettungsplan für Zypern wird der gesamte Bankensektor restrukturiert

  • Die zweitgrößte Bank des Landes Laiki Bank, wird in zwei Teile getrennt: eine “bad bank” und eine “good bank”, bevor sie geschlossen wird, was zum Verlust von mehreren Tausend Stellen führen wird

  • Anlagen bei der Laiki Bank von weniger als 100.000 Euros werden zur “good bank” gerechnet und sind durch EU-Gesetze gesichert. Dieses Geld wird an Zyperns größte Bank, die Bank of Cyprus, weitergeleitet

  • Anlagen bei der Laiki Bank von mehr als 100.000 Euros zählen zur “bad bank”. Dieses Geld und Anlagen von mehr als 100.000 Euros bei der Bank of Cyprus sind nicht durch EU-Gesetze gesichert, sie werden zunächst eingefroren und dann dazu benutzt, um die Schulden der Laiki Bank zu zahlen und die Bank of Cyprus zu rekapitalisieren. Die Kunden von Laiki Bank und Bank of Cyprus mit Anlagen von mehr als 100.000 Euros müssen damit rechnen, etwa 40 % ihrer Anlagen zu verlieren


euronews:
Daniel Gros, Leiter des Zentrums für Europäische Politikstudien in Brüssel, herzlich willkommen bei Euronews. Die Märkte haben auf den Rettungsplan für Zypern positiv reagiert, obwohl die zweitgrößte Bank aufgespalten und letztlich verschwinden soll. Welchen Schluss kann man daraus ziehen?

Daniel Gros:
Ich denke, inzwischen ist es klar, dass eine marode Bank ihre Gläubiger in Schwierigkeiten bringt und weniger die Regierung. Dieses Prinzip hat sich durchgesetzt, es ist nachvollziehbar und die Märkte haben sich erleichtert gezeigt.

euronews:
Die Regierung Zyperns konnte jedoch große Verluste privater Investoren, vor allem russischer Investoren, nicht vermeiden. Bestehen für andere kleine Länder wie Luxemburg oder Slowenien keine Ansteckungsgefahren?

Daniel Gros:
Nein, dieses Risiko besteht nur begrenzt. Zypern ist in vielfacher Hinsicht ein Einzelfall. Luxemburg besitzt ebenfalls sehr große Banken, der entscheidende Unterschied liegt jedoch darin, dass sich diese Banken im Besitz anderer Banken der Euro-Zone befinden. Die Regierung Luxemburgs wird somit nie für den Crash einer Bank verantwortlich sein. Kleinsparer in Italien oder Spanien haben somit nichts zu befürchten, eine wirkliche Ansteckungsgefahr besteht nicht.

euronews:
Für die Euro-Zone mag das gut sein, die Menschen und die Wirtschaft Zyperns aber wird diese Rettung teuer zu stehen kommen. Von der Troika hieß es, Zypern müsse mit Arbeitslosigkeit, Rezession, Sparplänen rechnen. Hat sich erneut das deutsche Modell durchgesetzt?

Daniel Gros:
Es war, wenn man so will, die Lösung mit den geringsten Kosten für die Bevölkerung: Für die Verluste kommen die Gläubiger auf, die Menschen Zyperns aber werden dafür nicht zur Kasse gebeten. Es ist klar, dass die Wirtschaft schrumpfen wird und dass Arbeitplätze verloren gehen werden. Das aber ist unvermeidlich, weil das Geschäftsmodell des Landes zerstört wurde. Zypern wird lange brauchen, um sich davon zu erholen.

euronews:
Die Menschen dort sind wütend, die Empörung über Deutschland nimmt zu…

Daniel Gros:
Der größte Teil der Verantwortung kommt der Regierung Zyperns zu. Diese hat die deutsche Regierung und die Troika als die Bösen hingestellt, die angeblich die Bevölkerung Zyperns haftbar machen wollten. Doch das Gegenteil war der Fall.

euronews:
Sie meinen, eine Lösung hätte auch beim ersten Treffen der Euro-Gruppe gefunden werden können, ohne das Drama und die Schwierigkeiten danach?

Daniel Gros:
Das Theater war notwendig, Zypern wollte zeigen, dass es nein sagen kann. Das Parlament in Zypern hat nein gesagt und sich dann überlegt, dass dieses Nein für die Wirtschaft einen sehr hohen Preis haben könnte. Schließlich stimmte es einer Lösung zu, bei der die Schäden möglichst klein gehalten werden.

euronews:
Wird diese Lösung auch für die künftige Bankenunion in dem Sinn wichtig sein, dass die Steuerzahler verstehen, wie Banken künftig gerettet werden können?

Daniel Gros:
Die Europäische Zentralbank wird künftig die Bankenaufsicht haben. Sie wird über alle Informationen verfügen, die für Fälle, wie es dieser war, notwendig sind. Auch die Troika wird darüber verfügen. Man wird sagen können: “Unter diesen Bedingungen sind wir für die Bankenunion, weil die Gefahren für die Steuerzahler, auch die deutschen, sehr gering sind.”