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Lagunen unter dem Mikroskop

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Lagunen unter dem Mikroskop

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Die Ria de Aveiro, eine riesige Lagune in Portugal, ist ein vielfältiges, aber empfindliches Ökosystem auf rund 75 Quadratkilometern – mit Auen, Seegras und Salzmarsch. Ideales Brutgebiet für Vögel, Fische, Muscheln und Schalentiere.

Dieses Kleinod ist jedoch wie andere europäische Küsten-Lagunen Europas bedroht: “Zu den vorherrschenden Problemen hier gehört der hohe Nährstoffgehalt im Wasser. Diese Nährstoffe fördern das Wachstum von Grünalgen. Die Grünalgen ziehen Sauerstoff aus dem Wasser, und dadurch kann schließlich das gesamte Ökosystem des Wassers geschädigt werden und seine Qualität verlieren. Außerdem haben wir in den letzten Jahren neue Formen der Umweltverschmutzung bemerkt, chemische Substanzen aus Arzneimitteln und andere Nanopartikel, die ebenfalls die Umwelt hier belasten”, erklärt die Biologin Ana Lillebø. Sie koordiniert ein Forschungsprojekt, das die aktuelle Situation und Entwicklung der Lagune untersucht.

Auch der Klimawandel kann zur Gefahr werden. Er kann sich auf die Wassermenge, Temperatur und den Säurehaushalt der Lagune auswirken und damit ebenfalls ein ohnehin fragiles Ökosystem schwächen. Die Forscher wollen ergründen, wie die wichtigsten Pflanzen- und Tierarten in der Nahrungskette der Lagune auf plötzliche Veränderungen in ihrem Ökosystem reagieren.

“Wir können in gewisser Weise künftige Klimaveränderungen mit Modellen vorhersagen. Wenn wir diese Modelle mit unserer biologischen Forschung verknüpfen, können wir ungefähr vorhersehen, wie die wichtigsten Gattungen hier sich entwickeln werden – ob sie sich vermehren, verringern oder ganz aus dem Ökosystem der Lagune verschwinden”, erläutert der Ökologe Arnaldo Marín Atucha.

Diese wissenschaftliche Begleitforschung im Rahmen eines europäischen Projektes konzentriert sich auf vier Küsten-Lagunen in Europa: Neben der Ria de Aveiro in Portugal die Vistula-Lagune in Polen und Russland, die Tyligulskyi-Lagune in der Ukraine und die Mar Menor in Spanien. Jede mit unterschiedlichen Bedingungen und Problemen – doch gemein ist ihnen, dass sie Schutz brauchen.

Die Laborwerte werden mit Computermodellen verknüpft. Mit interaktiven Karten versuchen die Wissenschaftler aber nicht nur, die Veränderungen durch den Klimawandel vorherzusagen, sondern auch Einflüsse von Tourismus, Industrie und Landwirtschaft auf die Lagunen.

Bei dem Projekt geht es auch darum, die Anwohner zu sensibilisieren. Die Forscher bilden Gruppen mit Fischern und Jägern, um diesen wissenschaftliche Informationen zu vermitteln, aber auch, um Erfahrungen aus erster Hand zu hören und Feedback über das Potenzial und die Schwächen der Lagune zu bekommen.

Der Wasser- und Umweltexperte Geoffrey D. Gooch erläutert: “Wir teilen vor allem Karten an sie aus. Und bitten sie, mit Punkten und Farben auf diesen Karten anzugeben, welche Bereiche der Lagunen sich ihrer Meinung nach gut entwickeln, und welche Bereiche sie für gefährdet halten. Neben der Information darüber, welche Probleme dort anliegen, bekommen wir gleichzeitig die Ortsangabe.”

Auf drei Jahre ist das Projekt angelegt, Forscher, Fischer und Jäger hoffen, dass damit einzigartige Ökosysteme bewahrt werden können. Boaventura Bastos Marrafa, Präsident des Jagd- und Fischerei-Verbandes Avanca bekräftigt: “Wir haben das Meer, die Buchten und die Lagune. Und sonst nichts weiter als viele Autobahnen. Da gibt es keinen Platz für Wildtiere und Natur. Alle für Jäger interessanten Gebiete sind in der Lagune. Deshalb müssen auch wir Jäger dafür kämpfen, sie zu schützen und das natürliche Gleichgewicht dieser Ökosysteme zu bewahren.”

Der Ökologe Arnaldo Marín Atucha geht noch weiter: “Jede Lagune ist einzigartig. Wenn wir dieses natürliche Erbe verlieren, verlieren wir auch ein bisschen von unserer europäischen Identität.”

Weitere Informationen zu dem Projekt unter:
https://www. lagoons.web.ua.pt. lagoons.web.ua.pt