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Mordprozeß um den "Engel mit den Eisaugen" geht in die dritte Runde

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Mordprozeß um den "Engel mit den Eisaugen" geht in die dritte Runde

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Der Mordprozeß gegen die amerikanische Studentin Amanda Knox und ihren italienischen Ex-Freund Raffaele Sollecito wird neu aufgerollt.

2009 waren beide für schuldig befunden worden am Tode von Amandas britischer Mitbewohnerin. Zwei Jahre später wurden sie aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Das Kassationsgericht in Rom – Italiens höchste Instanz – gab nun dem Einspruch der Staatsanwälte gegen den Freispruch statt.

Carlo Dalla Vedova, der Anwalt von Amanda Knox sagte: “Amanda ist bestürzt. Sie ist sehr traurig. Sie dachte, dies sei das Ende eines Albtraums. Aber sie ist auch stark, und wir werden weiterkämpfen.”

“Der Kampf geht weiter”, sagte die auch Giulia Bongiorno, die Anwältin des mitbeschuldigten Raffaele Sollecito. Am 2. November 2007 war die britische Studentin Meredith Kercher in der Studentenwohnung in Perugia, die sie mit Knox teilte, tot aufgefunden worden. Mit durchgeschnittener Kelhe, vergewaltigt, von Messerstichen übersät. Sechs Tage später wurde die damals 21jährige Amanda Knox festgenommen, zusammen mit ihrem Freund Raffaele Sollecito und dem Italo-Ivorer Rudy Guédé. Der wurde in einem abgetrennten Verfahren wegen Beihilfe zu 16 Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil hat Bestand.

Im ersten Prozeß 2009, bei dem die Medien Amanda Knox als “Engel mit den Eisaugen” bezeichneten, hieß es, die junge Britin sei vergewaltigt und erstochen worden, weil sie bei den Sexspielen der anderen nicht mitmachen wollte. Dabei seien reichlich Alkohol und Drogen im Spiel gewesen. Knox und Sollecito wurden in diesem Indizienprozeß zu 26 bzw. 25 Jahren Haft verurteilt. Diese Indizien, vor allem DNA-Spuren, wurden dann im Berufungsprozeß zwei Jahre später als nicht ausreichend befunden. Es hieß, die Spurensicherung habe nicht korrekt gearbeiten, Spuren seien verunreinigt und damit nicht verwertbar gewesen. Knox und Sollecito wurden freigelassen. Nach vier Jahren im Gefängnis kehrte Amanda Knox sofort ins heimatliche Kalifornien zurück. Sie wurde begrüßt als die brave katholische Tochter, der bitter Unrecht geschehen war.

Ihr Ex-Freund setzte sein Studium in Verona fort. Tränenreich dankte sie allen, die daheim an sie geglaubt hatten. Wörtlich: “What’s important for me to say is just thank you to everyone who’s believed in me, who’s defended me, and who’s supported my family”. Und Amerika wäre nicht Amerika, wenn so eine Geschichte nicht auch gleich verfilmt worden wäre. Den schwarzen Peter bekommen in dieser Affäre wohl die Spurensicherer. Auf die genaue Begründung des Kassationsgerichtes wird man noch drei Monate warten müssen. Solange bleibt auch Raffaele Sollecito auf freiem Fuß. Dass Amanda Knox aus den USA zu dem Prozeß vor dem Schwurgericht in Florenz erscheint, gilt als extrem unwahrscheinlich.