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Ankara verärgert: "Warum brennen nur türkische Häuser?"


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Ankara verärgert: "Warum brennen nur türkische Häuser?"

Nach dem Brand eines vor allem von Türken bewohnten Hauses in Köln, bei dem am Samstagabend zwei Menschen ums Leben kamen und 13 weitere verletzt wurden, brachte der türkische Vize-Regierungschef seine Unzufriedenheit mit den deutschen Behörden zum Ausdruck. “Warum brechen immer nur in von Türken bewohnten Häusern in Deutschland Brände aus?”, fragte Bekir Bozdağ – der auch für die etwa vier Millionen im Ausland lebenden Türken zuständig ist – laut türkischen Medienberichten an diesem Montag. Zudem fand der stellvertretende Ministerpräsident, dass sich die deutschen Behörden lächerlich machten, wenn sie fünf Minuten nach einem Feuer erklärten, der Brand habe nichts mit Neonazis zu tun.
In Köln hatte die Polizei erklärt, sie ermittle in alle Richtungen, nachdem das Feuer offenbar bei einem Kinderwagen im Hausflur im Erdgeschoss ausgebrochen war.

Schon nach dem dramatischen Brand von Backnang in Baden-Württemberg, bei dem im vergangenen Monat eine aus der Türkei stammende Frau und ihre sieben Kindern im Alter zwischen 17 Jahren und sechs Monaten getötet worden waren, hatte es in der Türkei Vermutungen gegeben, dass ein ausländerfeindlicher Anschlag das Feuer ausgelöst haben könnte. Im März war Bekir Bozdağ auch in die Nähe von Stuttgart gereist, um an einem Totengebet für die Familie teilzunehmen, bevor die Toten in die Türkei überführt wurden. Er hatte die Hilfe der türkischen Behörden bei den Untersuchungen der Brandursache angeboten und erklärt: “Das Feuer sollte intensiv untersucht werden und keine Zweifel offen lassen. Wir hoffen, dass es kein Brandanschlag oder ein fremdenfeindlicher Angriff war.”

Jetzt fragte Vize-Premier Bekir Bozdağ auch, warum eigentlich nur in deutschen Häusern, in denen Türken wohnen, die Steckdosen defekt seien. Offenbar fühlt sich die Regierung in Ankara, nach den Bränden der vergangenen Wochen an die Anschläge auf Türken in Deutschland bei den fremdenfeindlichen Angriffen von Mölln und Solingen in den 90er Jahren erinnert.

Erst am Wochenende hatte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu seinen deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle angerufen, um sicherzustellen, dass beim Neonazi-Prozess in München reservierte Plätze für Journalisten und Politiker aus der Türkei reserviert werden. Die mehrheitlich aus der Türkei stammenden Opfer der Neonazi-Gruppe NSU waren jahrelang nicht als Opfer rechtsextremer Gewalt erkannt worden. Und vor dem Prozessbeginn am 17. April hatten ausländische Medienvertreter Mühe, reservierte Plätze im Gerichtssaal zu ergattern.

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