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Offshore-Geheimnisse im Umfang von 200 Gigabyte

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Offshore-Geheimnisse im Umfang von 200 Gigabyte

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In den Medien ist momentan viel von Steuerparadiesen und anonymen Konten bei diskreten Banken auf fernen Inseln die Rede. Davon dürfte nun eine ganze Menge nicht mehr geheim bleiben. Britische Medien schreiben von rund zwei Millionen E-Mails und anderen Dokumenten, die Zusammenhänge enthüllen. Die Namen und Zahlen preisgeben. Dabei handele es sich um die ganze Bandbreite der gewöhnlich solcher Geheimnistuerei verdächtigen Personen. Präsidenten und Oligarchen, die Tochter eines Diktators, einen britischen Milliardärs, der Besitztümer seiner Ex-Frau versteckt hat. Nach der jüngsten Affäre um die Steuerflucht des inzwischen zurückgetretenen französischen Budgetministern taucht sogar der Name des Finanzverantwortlichen für den Wahlkampf des französischen präsidenten Francois Holland 2012 in diesem Zusammenhang auf. Jean-Jacques Augier, so schreibt die französische Nachrichtenagentur AFP, sei Aktionär bei zwei Offhore-Gesellschaften im Steuerparadies Cayman Islands. Das soll mit seinen Aktivitäten in China zwischen 2005 und 2009 zusammenhängen. Laut der unabhängigen französischen Tageszeitung “Le Monde” stammen diese Informationen von dem unabhängigen Konsortium für investigativen Journalismus ICIJ (englisch), das in Washington angesiedelt ist und mit dem britischen “Guardian” zusammenarbeitet. Als Hintergrund für die aktuellen Veröffentlichungen wird auf den EU-Gipfel im März 2012 verwiesen, bei dem die Staats- und Regierungschefs die EU-Kommission aufgefordert hatten, “schnell und konkret Wege zur Bekämpfung von Steuerbetrug und Steuerflucht” zu finden.

Die nun aufgetauchten mehr als zwei Millionen E-Mails beziehen sich vor allem auf die britischen Virgin Islands. Die sollen Ermittler inzwischen auch auf die Spur von lange Zeit verloren geblaubten Diktatoren-Konten geführt haben. Genannt werden Ferdinand Marcos, der einst die Philippinen regierte, und der Robert Mugabe, der sich gerade für eine weitere Amtszeit als Präsident von Simbabwe rüstet.

Die auf den British Virgin Islands identifizierten Kunden von diskreten Konten, von denen der heimische Fiskus und gelegentlich auch die geschiedene Ehefrau nicht weiß, werden rund um den Globus verortet. Kanada, USA, Indien, Pakistan, Indonesien, Iran, China, Thailand und auch in den ehemals kommunistischen Staaten Europas bzw. in den Nachfolgestaaten der UdSSR. Das Geschäft mit den diskreten Konten auf dem fernen Außenposten des britischen Königreiches funktioniert so gut, weil in der City of London reichlich Fachanwälte für diese ganz spezielle Art der Vermögensverwaltung ihre Dienste anbieten. Ganz legal. Der Finanzminister der autonomen Verwaltung der British Virgin Islands, Neil Smith, betonte sich gegenüber dem “Guardian” :” Unsere Gesetzgebung schafft eine für illegale Aktivitäten wesentlich feindlichere Umwelt als die meisten anderen Gesetzgebungen.” Und er fügte hinzu, bei den seltenen Gelegenheiten, wenn illegales Verhalten entdeckt wurde, habe man immer schnell und entschlossen gehandelt.
Man erinnere sich, welche Stürme von Entrüstung, Dementis und sogar Strafverfahren jene zwei Gigabyte entfacht hatten, die 2010 via WikiLeaks Brisantes aus amerikanischen Quellen enthüllten. Diesmal handelt es sich um 200 Gigabyte.

Weiterführender Link:

ICIJ (englisch)