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Griechische Filmpreise trotzen der Krise

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Griechische Filmpreise trotzen der Krise

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Für die griechische Kinoindustrie ist es die Nacht der Nächte: die Verleihung der griechischen Filmpreise im Onassis Kulturzentrum in Athen. Sieger der diesjährigen vierten Ausgabe seit Gründung der Hellenischen Filmakademie war der viel beachtete Streifen “Boy eating the Bird’s food” von Ektoras Lygizos. Er erhielt den Preis für den besten Film, den besten Jungregisseur und den besten Hauptdarsteller.

Der Film wurde bereits auf mehreren Festivals mit Preisen geehrt, unter anderem in Karlsbad und Thessaloniki. Das Regiedebüt von Ektoras Lygizos zeigt einen jungen Mann, der in Athen auf der Straße lebt. Yannis Papadopoulos schlüpft in Rolle des jungen Mannes, der sich wie in Trance durch die Straßen seiner Stadt bewegt. “Ich bin froh, dass all die Arbeit, die in diesem Film steckt, anerkannt wird”, sagt der Hauptdarsteller.“Es war harte Arbeit für das gesamte Team. Niemand hat uns geholfen. Es ist ein Independentfilm, es gab wirklich keinerlei Unterstützung.”

Den Preis für die beste Darstellerin erhielt die anerkannte griechische Theater- und Filmschauspielerin Amalia Moutousi. In dem verstörenden Schwarz-Weiß-Drama “Joy” von Ilias Yannakakis spielt sie eine junge Mutter, die sich rührend um ihr neugeborenes Kind kümmert. Später wird die junge Frau festgenommen und der Kindesentführung beschuldigt wird.

Großen Applaus gab es für Thanos Anastopoulos, ausgezeichnet mit dem Preis für den besten Regisseur für den Film “The Daughter”. Der Streifen, der bereits auf der Berlinale im Forum lief, handelt von einem 14j-jährigen Mädchen, dessen Vater verschwunden ist, offenbar um seinen Schulden zu entkommen. Um seine Rückkehr zu erpressen, entführt sie den Sohn des Arbeitgebers. Thanos Anastopoulos erhielt außerdem den Preis für das beste Drehbuch.

“Das kam ziemlich überraschend”, gesteht der Regisseur. “Das ist bereits mein zweiter Drehbuch-Preis nach ‘Correction’. Überraschend insofern, als dass ich auf eine eher ungewöhnliche Weise arbeite. Es gibt kein Drehbuch im eigentlichen Sinn, wir einigen wir uns lose auf die Struktur, und dann beginnt der Dreh.”

Die Präsidentin der griechischen Filmakademie, Regisseurin Katerina Evangelakou, war zufrieden mit der diesjährigen Filmauswahl. “Es gibt mehrere interessante Spielfilme, aber auch einige Dokumentationen. Es war sogar ein ausgesprochen gutes Jahr für Dokumentarfilme in Griechenland. Auch Kurzfilme waren erfolgreich. Wir haben allen Grund stolz zu sein auf diese qualitativ herausragenden Beiträge, die zu internationalen Festivals eingeladen wurden.”

Die meisten Preise, insgesamt sechs, allerdings nur in Nebenkategorien, erhielt der Film „J.A.C.E. (Just Another Confused Elephant)” von Menelaos Karamaggiolis. Ein junger Mann wird in Bandenkriege und kriminelle Verwicklungen verstrickt und landet auf der Straße.

“Der schlechten Finanzlage zum Trotz kann sich das Filmjahr 2012 sehen lassen und sendet ein Signal der Hoffnung an die griechische Kinoindustrie. 2013 dürfte sogar noch besser werden. Zahlreiche Filme sind bereits in Produktion, weitere Projekte stehen kurz vor Drehbeginn”, berichtet euronews-Reporter Yorgos Mitropoulos.