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Recyceln lernen im Kindergarten
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Ist die nächste Generation bereit für die Umweltprobleme, die sie von uns erbt?

Karolina Wojtala und Joanna Lenartowicz haben für ihre Schützlinge Anschauungsmaterial in Hülle und Fülle: Die beiden Erzieherinnen können den Kindern aus ihrem Kindergarten in freier Natur die Folgen jahrelanger Umweltverschmutzung zeigen.Sie leben im südpolnischen Zabrze, einst Hindenburg in Oberschlesien. Eine der belastetsten Städte Europas.

Umweltbewusstein fange im Kindergartenalter an, meint Karolina, am besten mache man es zum festen Bestandteil des täglichen Lebens. Und: “Ich gehöre zu der Gruppe von Menschen, die in diesen Fragen am meisten Einfluss auf die Kinder hat. Es ist an uns, das Wissen an die Kinder und an unsere Freunde weiterzugeben, denn irgendwann könnte es dafür zu spät sein. Sonst werden wir eines Tages im Müll versinken und das war’s dann.”

Recycling gehört zu den Prioritäten im Kindergarten in Zabrze. Im Schnitt verursacht jeder Europäer jährlich über 500 Kilo Abfall, von denen gut ein Drittel auf der Deponie landet. In Polen gab es Fortschritte: Im vergangenen Jahrzehnt war es der EU-Staat, der am stärksten seine Müllmengen verringerte, die auf der Deponie landen. Allerdings ausgehend von einem hohen Ausgangswert: Zuvor gehörte Polen zu denjenigen in der EU, die am meisten – 90 Prozent der Abfälle – auf die Kippe brachten, statt sie zu verbrennen oder zu recyceln.

Ein anderer Aspekt: der Wasserverbrauch. Joanna erzählt: “Ich sehe die Ergebnisse meiner Arbeit mit den Kindern ganz bewusst. Ich beobachte sie in Alltagssituationen. Zum Beispiel haben sie beim Händewaschen das Wasser ewig laufen lassen, ohne auf die Wasserverschwendung zu achten. Aber wir arbeiten hier auch mit wirklich kleinen Kindern, und ein paar Monate, nachdem sie zu uns gekommen sind, wenn sie selbst noch zu klein sind, um den Hahn zuzudrehen, dann rufen sie uns, weil sie wissen, das ist sonst nicht gut für die Umwelt.”

Diese Umwelterziehung wird in Partnerschaft mit Schulen in Frankreich, Italien, Portugal, Großbritannien, Rumänien und der Türkei durchgeführt. Finanzielle Unterstützung kommt vom EU-Programm Comenius, das die internationale Zusammenarbeit zwischen Schulen fördert. Die Partnerschulen tauschen sich über eine Online-Plattform aus und die Lehrer besuchen sich gegenseitig.

“Wir haben bis jetzt eine Schule in der Türkei besucht und unsere Arbeitsmethoden verglichen”, berichtet die Kindergartenleiterin Ludomira Borys Paradysz. “Wir haben dort eine typische Ökoschule besichtigt. Sie haben einen Garten, in dem sie das ganze Jahr über ihre eigenen Pflanzen und Produkte anbauen. Die Schüler lernen, wie man mit Pflanzen umgeht, wie man die Umwelt respektiert und nicht Müll einfach in die Gegend wirft.”

Das Klärwerk in Zabrze war die größte Investition in der Geschichte der Stadt. Hier wird das Wasser gereinigt, das früher direkt in den Bytomka-Fluss eingeleitet wurde. Grazyna Peciak, die Chefin der Anlage, organisiert pädagogische Führungen. Sie meint, das Verhalten der jüngeren Generation ändere sich. “Ich zeige den jungen Leuten die Abwasseraufbereitungsanlage, das Herz unseres Klärwerks, damit sie sehen, wohin die Abwasserleitungen aus ihren Häusern führen. Die jungen Leute sind sehr interessiert an all den Vorgängen hier, wollen sehen, wo das Abwasser einströmt und wo es abfließt. Das ist sehr ermutigend.”

Erzieherin Karolina Wojtala ist ebenfalls zuversichtlich: “Das ganze Personal hier im Kindergarten engagiert sich aktiv für den Umweltschutz und das beeinflusst die Kinder auf unglaublich effiziente Weise. Das sieht man an ihrem Verhalten – ein sehr reifes, umweltbewusstes Verhalten. Ich denke, sie werden in Zukunft eine kleine Herde von Umweltschützern werden.”

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