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Auch im Iran: Amnesty Int. kämpft gegen die Todesstrafe

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Auch im Iran: Amnesty Int. kämpft gegen die Todesstrafe

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Weltweit haben 140 Staaten die Todesstrafe abgeschafft, trotzdem sind im vergangenen Jahr – China ausgenommen – mindestens 682 Menschen hingerichtet worden. Nach Angaben von Amnesty International wurden 2012 in China Tausende Menschen hingerichtet, mehr als im Rest der Welt zusammen. “In Vietnam kamen die Hinrichtungen im vergangenen Jahr zum Stillstand, weil dort die Mittel für den Tod durch die Giftspritze aus der EU importiert wurden”, so David Nichols von der Menschenrechtsorganisation. “2012 verbot die EU den Export solcher Mittel.” Das einzige Land in Europa, das die Todesstrafe nicht abgeschafft hat, ist Weißrussland, wo Menschen wegen erzwungener Geständnisse zum Tode verurteilt wurden. “Auf Weißrussland wird internationaler Druck ausgeübt, von der EU, vom Europarat und von anderen Staaten der früheren Sowjetunion”, meint Nichols dazu. “Doch das hilft kaum. Die Menschen werden unter Geheimhaltung hingerichtet.” Im Iran werden auch Ehebruch und Homosexualität mit dem Tod bestraft. Über Verfolgungen und Hinrichtungen sprachen wir mit einem iranischen Aktivisten, der aus seiner Heimat fliehen musste und inzwischen in London lebt.

Wir sind mit Kamil Alboshoka in London verbunden, willkommen bei Euronews. Sie gehören einer arabischen Minderheit an und sind 2006 aus dem Iran geflohen. Zur Zeit kämpfen Sie für zwei Familienangehörige sowie drei Ihrer Freunde, die im Iran zum Tode verurteilt worden sind. Warum wurden sie verurteilt?

Kamil Alboshoka:
Sie sind Kulturschaffende, das Regime ließ sie verhaften und warf Ihnen vor, Kontakte zu Ausländern zu haben, sich der Korruption schuldig gemacht zu haben und Feinde Gottes zu sein. Das Regime will die Stimme der Awazi-Minderheit zum Schweigen bringen. Es hat die Region besetzt, in der die Minderheit lebt. Die Verurteilten können jederzeit hingerichtet werden.

Euronews:
Welche Erfahrungen haben Sie dazu veranlasst, Iran 2006 zu verlassen?

Kamil Alboshoka:
2005 wurde ich bei einer Protestaktion verhaftet, danach gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. 2006 wurde meine Familie überfallen, mein Onkel wurde getötet und alle Familienangehörigen wurden verhaftet. Ich hatte keine andere Möglichkeit, als das Land zu verlassen.

Euronews:
Fordern Sie ein internationales Verbot der Todesstrafe?

Kamil Alboshoka:
Notwendig ist ein Verbot der Todesstrafe im Iran. Bei den meisten Hingerichteten handelt es sich um Aktivisten. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im vergangenen Jahr 580 Menschen hingerichtet. Nicht eingeschlossen die Menschen, die in Haft, unter Folter ums Leben kommen.

Euronews:
Haben Sie darüber Informationen?

Kamil Alboshoka:
Ja. Einer von ihnen ist mein Vetter Nasser Alboshoka Dorfeshan gewesen, der als 19-Jähriger im Januar vergangenen Jahres getötet wurde. In den Listen der Hingerichteten taucht er nicht auf. Drei meiner Familienangehörigen wurden im Juni 2012 getötet, auch ihre Namen tauchen nicht in den Listen der zum Tode Verurteilten auf. Ein weiterer Fall ist der von Mohammed Kaaby, der unter Folter ums Leben kam, aber nicht unter den Häftlingen geführt wurde.

Euronews:
Hinrichtungen finden oft in Stadien statt. Wie reagieren die Zuschauer darauf?

Kamil Alboshoka:
Niemand ist darüber glücklich, doch niemand wagt es, sich darüber zu äußern. Wir haben es mit einem Polizeistaat zu tun, der von Geheimdiensten gelenkt wird. Niemand wagt es, sich über Hinrichtungen zu äußern, selbst wenn die Menschen damit unglücklich sind.