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Twitter-Oper über die Finanzkrise

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Twitter-Oper über die Finanzkrise

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Die estnische Oper “Nostra Culpa” handelt von Finanzkrise und Sparpolitik. Vorlage war der digitale Schlagabtausch zwischen Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves und US-Ökonom Paul
Krugman im Juni 2012. Damals hatte der Präsident den Wirtschaftsexperten wegen seiner Kritik am Sparkurs des baltischen Landes scharf attackiert.
US-Komponist Eugene Birman hat die geflügelten Worten zu einer 16-minütigen Oper verarbeitet.
“Diese Tweet-Texte sind dermaßen theatralisch und lebendig, dass es sehr einfach war, sie musikalisch umzusetzen. Im Grunde ist es Poesie. Das hat dramatisches Potenzial, es war ein befreiendes Gefühl, dieses Stück zu schreiben.”

Die Oper wurde anlässlich der estnischen Musiktage in Tallinn uraufgeführt, vorgetragen von der Mezzo-Sopranistin Iris Oja. Der in Estland lebende Journalist Scott Diel schrieb das Libretto. Mit knallharter Wirtschaftsanalyse und des Präsidenten Klageleid. Wer am Ende Recht habe, müsse der Zuhörer selbst entscheiden, meint Diel.

Krugsmans kritische Einschätzung, Estland sei “Vorzeigekind der Anhänger einer rigiden Sparpolitik” hatte den Twitter-Streit ausgelöst. Präsident Ilves ärgerte sich dermaßen, dass er den Amerikaner als “selbstgefällig, anmaßend und herablassend” beschimpfte.
“Wir sind nur dumme und alberne Osteuropäer. Eines Tages werden wir auch verstehen. Nostra Culpa!”, lautete Ilves letzter Tweet, der bis heute unbeantwortet blieb.
Hören kann man ihn nun auch als Oper. So inspirierend wirkt die Finanzkrise.