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Michel Mirabal malt den kubanischen Widerspruch

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Michel Mirabal malt den kubanischen Widerspruch

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Die kubanische Flagge, neu interpretiert, ist eines der aktuellen Lieblingsmotive des Kubaners Michel Mirabal. Der Künstler bezeichnet sich als Rebell und Patriot – und schleicht sich auf diesem schmalen Grad an der Zensur vorbei. euronews hat den Maler und Bildhauer in Havanna besucht.
“Mit der Flagge nehme ich aktuelle Problemen in Kuba in Visier”, erklärt Mirabal. “Das Bild ‘Orkan’ etwa zeigt eine kubanische Flagge mit Stacheldraht. Der Sturm reißt alles mit sich, auch den Reis, das sind echte Reiskörner. Der Fahnenmast biegt sich unter dem Druck des Windes.
Ein anderes Bild heißt ‘Nach rechts und nach links’. Bei uns In Kuba gibt es einen offiziellen Weg und einen nicht offiziellen, der aber ebenso wichtig ist.
Ein Beispiel: Die Nahrungsmittelration, die man jeden Monat zu erteilt bekommt , ist zu knapp. Wer genügend essen will, besorgt sich das, was fehlt auf dem Schwarzmarkt.”

Auf seinen symbolträchtigen Bildern spricht Mirabal, Schwachpunkte der kubanischen Gesellschaft an und gibt gleichzeitig die große Liebe zu seiner Heimat zum Ausdruck.

“Dieses Bild hat eine sehr große Bedeutung für mich. Es zeigt kubanische Fahnen, mit Stacheldraht und Blumen. Die Blumen stellen die positiven Dinge dar, der Stacheldraht die negativen. In jeder Nation, in jedem Land liegt beides neben einander, Gut und Böse.”

Ähnlich verhält es sich bei Michel Mirabal, der Stammgast der renommierten Kunstbiennale in Havanna ist und regelmäßig im Ausland ausstellt. Seine Werke erreichen inzwischen stattliche Preise, auch international.

“Ich habe einen sozialen Kompromiss mit meinem Land gefunden, das ist eigentlich perfekt. Ich lebe derzeit in Kuba, wie ein Millionär in jedem anderen beliebigen Land. Die Flaggenbilder verkaufe ich für zehn bis fünfzehn Tausend Euro. Das Geschäft läuft gut. Ich habe ein wirklich gutes Leben in Kuba, drei Häuser, ein Atelier, ein teures Auto. Aber all die materiellen Dinge sollten einen nicht von der Wirklichkeit ablenken.”

Eine explosive Wirklichkeit, wie seine jüngste Bilderserie andeutet.

“Das ist eine Bombe, eine Zeitbombe, die tickt. Wie man sehen kann, besteht sie aus Nägeln, auch die Lunte. Wenn diese Zeitbombe hochgeht, kann sie großen Schaden anrichten.
Auf einer kleinen Strecke haben sie Breschen geschlagen, Freiheiten eingefügt. Weil das Volk müde ist, das Volk möchte die Freiheit, die ihm verwehrt wird. Jetzt ist der richtige Augenblick für die Öffnung. Man kann sich nicht ewig gegen den Lauf der Welt stemmen.”