Eilmeldung

Eilmeldung

Fleischskandale am laufenden Band

Sie lesen gerade:

Fleischskandale am laufenden Band

Schriftgrösse Aa Aa

Die jüngste Episode des Lebensmittelskandals um undeklariertes Pferdefleisch spielte sich vergangene Woche in den Niederlanden ab. 50 000 Tonnen Fleisch wurden von den Behörden zurückgerufen. Der Großhändler Selten verkaufte die Ware auch ins Ausland, nach Deutschland, Frankreich und Spanien. Bereits im Februar stand das Unternehmen in den Schlagzeilen. Die niederländische Kontrollbehörde für Nahrungsmittel hatte nachgewiesen, dass Selten Pferdefleisch mit Rindfleisch mischte, dies anschließend aber als reines Rindfleisch verkaufte. Darüber hinaus konnte nicht mehr festgestellt werden, woher das Fleisch stammte.

Im Zentrum der Ermittlungen stand im Februar der französische Nahrungsmittelkonzern Spanghero. Neben unzulässigem Pferdefleisch, das vor allem in Fertiggerichten verarbeitet wurde, fanden die Kontrolleure auch Schafsfleisch in den Spanghero-Proben. Auch dieses war nicht entsprechend deklariert. Spanghero allerdings schob die Schuld weiter – nach Rumänien. Der Fleischlieferant Doly-Com habe die Ware falsch etikettiert.

300 Angestellte hat die Schlachterei im Nordosten des Landes und beliefert Verarbeiter aus zwölf europäischen Ländern. Dass die falschen Informationen in Rumänien auf den Etiketten landeten, bestreitet der Geschäftsführer von Doly-Com.

“Irgendwo muss das Fleisch umetikettiert worden sein, aber bestimmt nicht in Rumänien. Alle unsere Lastwagen werden per GPS kontrolliert, alles wird überwacht”, so Iulian Cazacut.

Seit 1993 ist die Rückverfolgbarkeit in Europa vorgeschrieben, um kontrollieren zu können, aus welchem Land, aus welchem Ort und von welchem Schlachthof das Fleisch stammt. Dass Pferdefleisch als Rindfleisch getarnt auf den Tellern der Verbraucher landete, konnte so jedoch nicht verhindert werden. Wie etwa in einer Ikea-Filiale in Prag.

“Nach unseren Informationen kam das Pferdefleisch auf legalem Wege auf den Markt. Das bedeutet auch, dass es für die Gesundheit von Menschen unbedenklich ist. Das Problem ist nur, dass es als Rind deklariert wurde”, so der Veterinär Jan Vana.

Vom Ausmaß des BSE-Skandals in den 90er Jahren, der mehr als 200 Todesopfer forderte, ist man also noch weit entfernt. Dass man dennoch nicht unwissentlich Pferde- als vermeintliches Rindfleisch verspeisen möchte, versteht sich von selbst.