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Die selbst bestimmte Trauerfeier der "eisernen Lady"

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Die selbst bestimmte Trauerfeier der "eisernen Lady"

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London – an einem leicht diesigen Frühlingstag. Ein schwarzer Leichenwagen verlässt das altehrwürdige Parlamentsgebäude in Westminster. Die “Eiserne Lady” begibt sich auf ihren letzten Weg. Mehr als 22 Jahre nachdem die eigene Partei sie aus dem höchsten Regierungsamt vertrieben hatte, war Margaret Thatcher im Alter von 87 Jahren verstorben. In der St. Paul´s Kathedrale versammelt sich derweil schon die Trauergemeinde. Darunter ihr Parteifreund John Major, der sie im November 1990 entmachtet hatte nach einer Regierungszeit von 4226 Tagen – der längsten eines Premiers seit fast 300 Jahren. Der Sarg ist auf seinem Weg durch das Regierungsviertel inzwischen an Thatchers alter Wirkungsstätte in Downingstreet vorbeigekommen und hat die Kirche St. Clement Danes erreicht. Hier wird er von den zivilen Sargträgern dem Militär übergeben. Weiter geht es auf einer Lafette mit militärischen Ehren, auch wenn dies kein Staatsbegräbnis ist – das bleibt der königlichen Familie vorbehalten. Und Margaret Thatcher – nach dem Ausscheiden aus dem Amt zur Baroness Thatcher of Kesteven geadelt – bekommt mit 19 Salutschüssen zwei weniger als 1965 der Kriegspremier Winston Churchill, der bisher einzige mit soviel militärischen Ehren zu Grabe getragenen Politiker. Dafür kommt aber das Staatsoberhaupt persönlich zur Trauerfeier!
Das ist die allerhöchste Ehre, die Queen Elisabeth einem verstorbenen Politiker erweisen kann. Thatcher hat viele ihrer politischen Weggefährten überlebt. Noch lebende – wie Helmut Kohl oder Michael Gorbatschow – sind zu alt und zu krank, um zu ohrer Trauerfeier zu kommen. Und aktuelle Politiker halten sich betont zurück. Aus den USA sind ehemalige Außenminister gekommen und die deutsche Kanzlerin lässt sich auch vom Außenminister vertreten. Richard Chartres, der Bischof von London sagt: “ Nach dem Sturm eines in politischen Kontraversen gelebten Lebens folgt die große Stille. Dieser Sturm machte Mrs. Thatcher zur Symbolfigur des ´Thatcherismus´. Heute aber liegt die wahre Margaret Hilda Thatcher hier im Sarg und ist eine von uns.” Wie um sie getrauert werden soll, mit welchen Bibellesungen und welchen Liedern, das hatte die immer vorausschauende Margaret Thatcher beizeiten selbst bestimmt.