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Nicolas Maduro - Präsident mit schwachem Mandat

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Nicolas Maduro - Präsident mit schwachem Mandat

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Es war ein erwarteter Wahlsieg, der allerdings sehr viel knapper ausfiel als vom Kandidaten erhofft.
Seit der letzten Wahl im Oktober, als noch Hugo Chavez antrat, haben fast 700.000 Wähler das Lager gewechselt. Nicolas Maduro erschien wohl doch zu vielen nur als Chavez-Ersatz. Der sagte an seinen Widersacher Capriles gerichtet: “Sollte ich mit einer einzigen Stimme Vorsprung gewonnen haben, dann übergebe ich Ihnen am Tag darauf die Macht. Ich habe aber mit einem Vorsprung von fast 300.000 Stimmen gewonnen. Das ist eine Entscheidung des Volkes.” Aber in den Straßen Venezuelas regt sich Widerstand. Bürger protestieren, beschuldigen den Sieger der Wahlfälschung. Der Vorsprung von nur 1,6% ist der niedrigste seit 50 Jahren. Dabei sehen viele Bürger die Legitimität der Präsidentschaft von Maduro in Frage gestellt. Dem Kampf an den Wahlurnen folgte ein Kampf auf den Straßen, der schon 7 Menschen das Leben gekostet hat. Der Oppositionskandidat Henrique Capriles hatte vor der offiziellen Verkündung der Ergebnisse verlangt, dass nachgezählt werde. Dann sagte er: “Wir glauben, dass wir gewonnen haben, das andere Lager glaubt das von sich ebenfalls. Jeder sieht sich im Recht. Jeder hat das Recht, seine Stimmen nachzuzählen.” Die Wähler haben ihren neuen Präsidenten mit einem äußerst schwachen Mandat ausgestattet. Der will vor allen die aus den Erdöleinnahmen bezahlten Sozialprogramme weiterführen, die Hugo Chavez so große Popularität eingebracht hatten. Nun zeigt sich aber, dass Maduro nicht einfach die Beliebtheit von Chavez erben kann, obwohl der kurz vor seinem Tod seine Landsleute geradezu angefleht hatte, Maduro zu wählen. Der Analyst Jorge Castro verweist auf die Bilanz der letzten 100 Tage: in zwei Abwertungen hat die Währung 80% an Wert verloren. Es fehlt an Waren des täglichen Bedarfs. Die Inflationsrate bewegt sich um die 30%. Gleichzeitig gehört Venezuela immer noch zu den 5 größten Erdölproduzenten, allerdings mit fallender Tendenz. Maduro wird sich mit dem Riesenproblem Kriminalität auseinandersetzen müssen. Venezuela ist zum Land mit der höchsten Mordrate geworden, schlimmer als Mexiko. Raubüberfälle durch schwer bewaffnete Banden sind an der Tagesordnung.