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Konnte Hoeneß nicht genug kriegen?

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Konnte Hoeneß nicht genug kriegen?

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Die Schlagzeilen im deutschsprachigen Raum beherrscht zur Zeit der Präsident des FC Bayern München Uli Hoeneß, aber nicht wegen der sportlichen Erfolge seiner Mannschaft, sondern wegen vermuteter Steuerhinterziehung in Millionenhöhe.

Im Nachrichtenmagazin FOCUS erklärt der Bayern-Präsident, er habe wegen eines Kontos in der Schweiz schon im Januar dieses Jahres über seinen Steuerberater Anzeige gegen sich selbst erstattet. Damals hoffte Hoeneß angeblich noch, durch Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz könne er ungeschoren davonkommen. Wenn dieses Steuerabkommen zustande gekommen wäre, hätten Deutsche, die ihr Geld auf Schweizer Konten angelegt hatten, durch eine einmalige Zahlung in Höhe von 20 bis 40 Prozent an den deutschen Fiskus straffrei bleiben können. Aber diesen deutsch-schweizer Deal hat die SPD im Bundesrat verhindert. Und inzwischen ist auch unklar, ob die deutschen Steuerbehörden nicht schon seit Monaten gegen den erfolgreichen Wurstfabrikanten Hoeneß ermitteln.

Nach Angaben der Münchner Abendzeitung geht es bei dem Geld, das Hoeneß in der Schweiz gebunkert haben soll um mehrere Hundert Millionen Euro. Und er habe schon einige Millionen beim Finanzamt auf den Tisch gelegt.

Sogar Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat bei einer CSU-Veranstaltung in München am Samstag bestätigt, dass er über die Ermittlungen gegen Uli Hoeneß informiert war. Die deutsche Presse hat auch zahlreiche Verantwortliche des FC Bayern zum Skandal um ihren Präsidenten befragt, die vor allem versichern, dass sich die Steuer-Affäre nicht auf die sportlichen Leistungen des Clubs auswirken würden.

Zahlreiche Oppositionspolitiker haben reagiert, so zitiert die BILD AM SONNTAG den Grünen-Chef Jürgen Trittin, der sagt, die Bundesregierung habe Leute wie Hoeneß schützen wollen.
Doch was viele Fußballfans am meisten schockt, ist, dass ausgerechnet Uli Hoeneß in einen Steuerhinterziehungsskandal verwickelt ist. Der Bayern-Präsident galt vielen als gediegener Manager, ein Vorbild des deutschen Erfolgs, dem sie sogar wohlwollend zusahen, wenn er in TV-Spots höchstselbst die Produkte seiner Wurstfabrik anpries. Viele schätzen ihn als den, der ohne viel Aufhebens zu machen Benefiz-Aktionen des FC Bayern unterstützte. Noch 2005 hatte Hoeneß in einem Interview mit BILD erklärt, „Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“

Ausgerechnet Hoeneß ist denn auch der Tenor vieler Kommentare. Galt der ehemalige Fußballer doch jahrzehntelang doch als Vorbild einer erfolgreichen deutschen Karriere.

Die FAZ zitiert eine Anti-Korruptions-Kämpferin, die meint, Hoeneß Glaubwürdigkeit sei extrem erschüttert.

Die taz verweist auf “Würsten und Wertpapiere” und konstatiert den “Sturz eines Sittenpredigers”.

DIE WELT stellt fest, dass Hoeneß viel mehr verliert als nur Geld, sein Ruf ist ramponiert. Der Gutmensch steht jetzt vor allen da als Steuersünder.