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"Damas de blanco" nahmen Sacharow-Preis entgegen

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"Damas de blanco" nahmen Sacharow-Preis entgegen

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Fast acht Jahre hat es gedauert, bis die kubanischen Aktivistinnen “Damas de blanco”, “Damen in Weiß” den Sacharow-Preis des Europaparlaments entgegennehmen konnten. Denn den regimekritischen Frauen war der Menschenrechtspreis für 2005 zugesprochen worden, die kommunistische Führung in Havanna aber hatte ihnen die Ausreise verwehrt. Die Gruppe entstand 2003, während des sogenannten Schwarzen Frühlings, als mehr als 70 kritische Journalisten, Oppositionelle und Menschenrechtsaktivisten verhaftet und zu teilweise schweren Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Trotz der gewaltsamen Verfolgung durch das Castro-Regime kämpften ihre Frauen und Lebenspartnerinnen für ihre Freilassung sowie für die bürgerlichen Rechte aller Kubaner. Nach der Haftentlassung vieler der 2003 verurteilten Regimegegner, von denen einige das Land verließen, definierten sich die Damas de blanco als Gruppe des zivilen Widerstands neu.

  • Der Sacharow-Preis wird außergewöhnlichen Persönlichkeiten verliehen, die gegen Intoleranz, Fanatismus und Unterdrückung kämpfen. Die Preisträger zeichnen sich durch den Mut aus, den man braucht, um die Menschenrechte und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.
  • Der Sacharow-Preis wurde 1988 vom Europa-Parlament ins Leben gerufen.
  • Der Preisträger wird mit 50.000 Euros ausgezeichnet.
  • EU-Abgeordneten schlagen verschiedene Persönlichkeiten für den Sacharow-Preis vor. Die Ausschüsse für Auswärtige Angelegenheiten und Entwicklung wählen danach drei Finalisten aus. Die Entscheidung über den oder die Preisträger/in liegt schließlich bei der Konferenz der Präsidenten des Europäischen Parlaments.
  • Andrej Sacharow (1921-1989), der Friedensnobelpreisträger von 1975 war ein russischer Physiker, der maßgeblich an der Entwicklung der Wasserstoffbombe mitgewirkt hat. Später engagierte er sich aber gegen Atomwaffen.
  • In den 1970er-Jahren gründete Sacharow, der in der UdSSR als Dissident mit subversiven Ideen galt, ein Komitee zur Durchsetzung der Menschenrechte und zur Verteidigung politisch Verfolgter.
  • Zu den herausragenden Preisträger/innen zählen Nelson Mandela (1988), die Mütter der Plaza de Mayo (1992), die UNO (2003), Reporter ohne Grenzen (2005) und die iranischen Aktivisten Nasrin Sotoudeh und Jafar Panahi (2012).

Euronews:
Berta Soler ist eine der Gründerinnen der Damas de Blanco. Die kubanische Menschenrechtsgruppe konnte endlich in Brüssel den Sacharow-Preis entgegennehmen. Herzlichen Glückwunsch.

Berta Soler: Danke. Ein Traum ist Wirklichkeit geworden. Doch wir haben die Hoffnung nie verloren, eines Tages nach Brüssel reisen zu können.

Euronews:
Wie ist die derzeitige Lage in Kuba? Etwas scheint sich verändert zu haben, sonst hätten Sie nicht reisen dürfen. Verdanken Sie es den neuen Reiseerleichterungen, dass Sie da sind?

Berta Soler:
In Kuba gibt es weder eine Reform der Reisebestimmungen noch eine wirtschaftliche Reform, es handelt sich nur um Kosmetik. Die kubanische Regierung versucht, ihr Image zu verbessern, sie versucht glauben zu machen, dass Reformen und eine Öffnung stattfinden. Doch das ist dem internationalen Druck zu verdanken. Es ist der alte Hund mit einem neuen Halsband. Die Ausreisegenehmigung wurde zwar abgeschafft, doch der Reisepass bleibt im Besitz der Behörden. Wie früher um die Sondergenehmigung muss man heute um den Pass ansuchen.

Euronews:
2010 und 2011 wurden politische Gefangene auf freien Fuss gesetzt. Wie viele dieser Gefangenen sind heute unter welchen Bedingungen in Haft?

Berta Soler:
Von der Gruppe der 75 Gefangenen sind 15 weiterhin in Haft. Die Verfahren gegen die Freigelassenen sind jedoch nicht abgeschlossen. Ivan Hernandez Carillo, mein Mann Jose Daniel Ferrer, Angel Moya zählen zu jenen, die auf freien Fuß gesetzt wurden. Sie haben Reisepässe beantragt, erhielten sie aber nicht, weil die Strafen noch nicht als verjährt gelten.

Es gibt Hunderte von politischen Gefangenen. Über genaue Zahlen verfügen wir nicht, doch es sind Hunderte. Sonia Garro von den Damen in Weiß ist seit eineinhalb Jahren in Haft, ihr Mann ebenfalls. Die beiden haben eine minderjährige Tochter, sie ist 16 Jahre alt und entbehrt der elterlichen Hilfe. Die Gefangenen leben unter unmenschlichen Bedingungen, sie teilen ihre Zellen mit Vergewaltigern, Mördern und Drogenhändlern. Das Essen, das sie bekommen, gleicht dem Schweinefutter. Das ist Absicht. Lehnen sie das Essen ab, nehmen es die Gefängniswärter, um ihre Schweine zu füttern.

Euronews:
Werden Sie von der Bevölkerung Kubas offen unterstützt?

Berta Soler:
Das Castro-Regime ist der einzige Arbeitgeber. In der Folge konnte es während eines halben Jahrhunderts Angst und Terror verbreiten. Doch inzwischen unterstützt uns die Bevölkerung offen auf den Straßen, Märkten, im Bus. Stellen Menschen beispielsweise fest, dass wir beschattet werden, warnen sie uns. Oder sie zeigen sich bereit, Dinge für uns aufzubewahren, die man beschlagnahmen könnte. Es sind Menschen, auf die wir uns verlassen können.

Euronews:
Ihre Gruppe wird heute öffentlich wahrgenommen. Was erwarten Sie von der internationalen Gemeinschaft?

Berta Soler:
Wir fordern die freiheitsliebende internationale Gemeinschaft auf, das Regime Castros nicht zu schonen. Wir erwarten, dass jene, die die Freiheit lieben, bei den Vereinten Nationen und überall in der Welt auf die Verletzungen der Menschenrechte durch das Castro-Regime hinweisen, auf die Gewalt gegen die kubanische Bevölkerung. Das ist wichtig. Wir erwarten, dass die internationale Gemeinschaft diesbezüglich keinen Schritt zurückweicht.